Adidas|Kursziel 230 Euro trotz 8,74 Prozent Wochenminus

· DAX

Der Rücksetzer vor den Zahlen

Die Adidas-Aktie verliert an diesem Handelstag 5,39 Prozent. Seit letzter Woche summiert sich das Minus bereits auf 8,74 Prozent. Wer die Aktie hält, sieht damit einen Teil des Jahresgewinns von zuletzt 5,14 Prozent wieder abschmelzen.

Das wirkt zunächst widersprüchlich. Seit Mai hatte die Aktie rund 20 Prozent zugelegt, getragen von WM-Rekordabsatz und einem starken China-Geschäft. Aktuell notiert sie bei rund 175 Euro, etwa 12 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der Rücksetzer der letzten Tage passt auf den ersten Blick nicht zu dieser Erfolgsgeschichte.

Händler nennen einen konkreten Grund: Eine Woche vor dem Quartalsbericht blieben positive Eckdaten des Sportartikelkonzerns aus. Der Kurs reagiert also nicht auf schlechte Nachrichten, sondern auf das Ausbleiben von Bestätigung. Das verschiebt die Frage von der Größe des Rückgangs zur Bedeutung des fehlenden Signals.

Zwei Banken, zwei Antworten

Goldman Sachs hat das Kursziel gerade erst von 165 auf 185 Euro angehoben. Trotzdem bleibt die Bank vorerst bei der Einstufung „Neutral“. Eine höhere Bewertung ohne höhere Kaufempfehlung ist ein Signal: Die Bank sieht Potenzial, will aber die Bestätigung der Zahlen abwarten.

JPMorgan sieht dagegen 230 Euro als fairen Wert und hat die Einstufung „Overweight“ wieder aufgenommen. Analystin Wendy Liu begründet das mit einem langsameren Comeback von Nike, das Adidas mehr Zeit für Marktanteilsgewinne verschafft. Aus ihrer Sicht gehört Adidas zusammen mit On Holding zum „Konstant-Abliefern-Camp“, während Puma und JD Sports als Turnaround-Wetten mit Umsetzungsrisiko gelten.

Die beiden Kurszielspannen von 185 bis 230 Euro sind kein Widerspruch in der Diagnose, sondern in der Zeitachse. Beide Banken erkennen dieselbe fundamentale Verbesserung. Der Streitpunkt ist, ob der Markt diese Verbesserung schon einpreisen soll, bevor sie durch Zahlen belegt ist, oder erst danach.

Der Prüfstein Ende Juli

Im ersten Quartal wuchs das Geschäft in China um 17 Prozent, deutlich über dem Konzerndurchschnitt. Adidas kauft zudem für 2026 eigene Aktien im Umfang von knapp einer Milliarde Euro zurück, der Eigenbestand liegt bereits über 3 Prozent. Das ist ein klassisches Stabilisierungssignal seitens des Unternehmens selbst.

Ende Juli legt Adidas seine Halbjahreszahlen vor. Bestätigt sich das China-Wachstum von 17 Prozent, verlieren die vorsichtigen Stimmen wie die von Goldman Sachs an Substanz und der Weg zu höheren Kurszielen öffnet sich. Bleibt die Bestätigung aus, bekommt der aktuelle Rücksetzer nachträglich recht. Der Kursverlust der vergangenen Woche ist damit kein Fehlsignal, sondern die Marktreaktion auf eine Frage, die erst mit den Zahlen beantwortet wird.

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