Airbus 12-13 Mrd. Euro-Zielsprung|Kurs 6,9% trotz unveränderter 2026-Prognose

· DAX

Der 6-Prozent-Sprung

Airbus schießt am Mittwoch um fast sieben Prozent auf 207,85 Euro nach oben und führt damit den DAX an. Der Kurs überschreitet wieder die Marke von 200 Euro, nachdem die Aktie monatelang unter der Sorge vor sinkenden Auslieferungszahlen gelitten hatte.

Der Auslöser ist überraschend unspektakulär: Auf einem Investorentag in London hebt Airbus nicht das laufende Jahr an, sondern nur das Ziel für 2029. Die Prognose für 2026 selbst bleibt exakt so stehen wie zuvor.

Genau darin liegt die eigentliche Botschaft. Der Markt reagiert nicht auf neue Zahlen für heute, sondern auf ein Signal, dass das Management sich seiner Sichtbarkeit für die kommenden Jahre so sicher ist wie nie zuvor.

Die Wette auf 2029

Airbus will den bereinigten Betriebsgewinn von zuletzt 7,1 Milliarden auf 12 bis 13 Milliarden Euro bis 2029 nahezu verdoppeln. Die bisherige Konsensschätzung für 2028 lag bei nur 11,2 Milliarden Euro, Airbus übertrifft damit die Erwartungen der eigenen Analystenschar deutlich.

Doch die Reaktion der Analysten fällt gespalten aus. JPMorgan-Analyst David Perry hebt sein Kursziel in der Nacht von 240 auf 245 Euro an und sieht in der Prognose alles, was den Kurs weiter treiben sollte. Andere Häuser bleiben mit Zielen zwischen 190 und 227 Euro deutlich vorsichtiger.

Der Grund für die Vorsicht der Skeptiker liegt in der Lieferkette selbst: Bei den Triebwerken der A320neo rechnet Airbus erst ab 2028 mit spürbarer Entspannung, weil Pratt & Whitney weiterhin nicht die volle vereinbarte Stückzahl liefert. Gleichzeitig beschließt der Verwaltungsrat ein Aktienrückkaufprogramm über fünf Milliarden Euro binnen drei Jahren, das die Wartezeit für Aktionäre finanziell abfedern soll.

Wer jetzt noch einsteigt

Für einen Bestandshalter stellt sich nach dem Kurssprung die Frage, ob die Bewertung die Euphorie schon eingepreist hat. Mit einem KGV von 26,2 für das laufende Jahr notiert Airbus rund fünf Prozent unter seinem historischen Durchschnitt von 27,8 – trotz der Rekordrally.

Was die Bewertung stützt, ist das pralle Orderbuch: 9.253 Verkehrsflugzeuge im Wert von über 600 Milliarden Euro sichern rechnerisch mehr als zehn Jahre Produktionsauslastung. Genau dieses Polster fehlt dem Rivalen Boeing, der zusätzlich noch mit Qualitätsproblemen und einem eingefrorenen Nachfolgeprogramm kämpft.

Für Bestandshalter wird die Position zur Falle, wenn die A320neo-Taktzahl auf dem Weg zu 75 Maschinen pro Monat erneut ins Stocken gerät wie schon mehrfach in den Vorjahren. Für Beobachter am Rand wird der Einstieg zur Chance, sobald Pratt & Whitney belegbar mehr Triebwerke liefert als bisher zugesagt – das ist der Indikator, der vor der nächsten Entscheidung zu prüfen ist, nicht der nächste Kursausschlag.

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