Aixtron|Rekord-Auftrag trifft auf Kurs-Skepsis

· DAX

Der Rekord-Auftrag hinter dem Kurs-Beben

Aixtron meldet für das zweite Quartal einen Auftragseingang von 214,5 Millionen Euro, ein Plus von rund 81 Prozent zum Vorjahr und deutlich über den Konsensschätzungen von 185 bis 197 Millionen Euro. Und doch notierte die Aktie kurz zuvor bei nur noch rund 33 Euro, nachdem sie Mitte Juni noch fast 63 Euro erreicht hatte. Wer nur die Bestellzahlen liest, versteht diesen Kurssturz nicht.

Denn während die Bestellungen explodierten, sank der Halbjahresumsatz um 30 Prozent auf 174,5 Millionen Euro, und das operative Ergebnis rutschte auf minus 7,6 Millionen Euro. Der Markt hatte in den vergangenen Wochen genau diese Lücke zwischen Zukunftsversprechen und Gegenwartszahlen eingepreist und die Aktie seit dem Höchststand um fast 50 Prozent abgestraft. Auftragseingang und Ergebnis erzählen für denselben Zeitraum zwei gegensätzliche Geschichten.

Wer hat recht: die Bestellungen oder die Bilanz

Der Treiber ist klar benannt: Rund drei Viertel des Auftragseingangs, etwa 161 Millionen Euro, entfallen auf die Optoelektronik-Sparte. Dort produziert Aixtron mit seiner G10-AsP-MOCVD-Plattform Laserdioden für 800G-Datenübertragung, die in KI-Rechenzentren verbaut werden. Der Kunde Lumentum hatte bereits im Mai größere Bestellungen ausgelöst, und Vorstandschef Felix Grawert sprach von einem Wendepunkt mit hoher Visibilität für den bevorstehenden Produktionshochlauf.

Gleichzeitig bleibt das zweite Standbein, die Leistungselektronik für Siliziumkarbid und Galliumnitrid, schwach, ebenso das Geschäft mit Micro-LED und LED. Eine spürbare Erholung dort erwartet das Unternehmen selbst frühestens für 2027. Die DZ Bank fasste die Lage nach den Zahlen so zusammen: eine anhaltende Kluft zwischen dynamischer Optoelektronik-Nachfrage und einer Delle im übrigen Portfolio. Genau diese Kluft, nicht der Auftragseingang allein, bestimmt, wie belastbar die Erholung wirklich ist.

Für das dritte Quartal stellt Grawert Erlöse zwischen 160 und 200 Millionen Euro in Aussicht, der Mittelwert liegt über der bisherigen Konsensschätzung von rund 166 Millionen Euro. Größere Laser-Systemauslieferungen sollen laut Unternehmen erst ab dem dritten Quartal beginnen und sich über das laufende Geschäftsjahr hinaus erstrecken. Das heißt: Die Bestellungen von heute werden erst in den kommenden Monaten zu tatsächlichem Umsatz, und damit zum eigentlichen Test der Story.

Was die Bewertung schon vorwegnimmt

Bei einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 82 für 2026 ist ein Großteil des erwarteten Wachstums bereits eingepreist. Die DZ Bank senkte ihren fairen Wert nach den Zahlen von 45 auf 40 Euro und beließ die Einstufung bei Halten, mit der Begründung, die positiven Aussichten seien in der Bewertung schon reflektiert. JPMorgan dagegen bestätigte am selben Tag ein Overweight-Rating mit einem Kursziel von 70 Euro. Zwei Analysehäuser, dieselben Zahlen, entgegengesetzte Schlussfolgerungen.

MWB-Analyst Abed Jarad stufte die Aktie am selben Tag von Hold auf Buy hoch, bei einem unveränderten Kursziel von 40 Euro, und begründete dies mit mehrjährigem Rückenwind durch KI-getriebene Optoelektronik plus Potenzial in der Leistungselektronik. Die Hochstufung kam trotz identischen Kurszielniveaus wie bei der zurückhaltenden DZ-Bank-Einschätzung. Der Auftragseingang wird von beiden Seiten anerkannt, der Streit dreht sich um das Timing, nicht um die Substanz der Nachfrage.

Der Blick auf das dritte Quartal entscheidet

Seit dem jüngsten Tief hat sich die Aktie bereits wieder erholt und notierte zuletzt über 37 Euro, ein Plus von rund 13 Prozent zum Rückschlagsniveau von 33,40 Euro. Der Auftragseingang liefert die Story, aber nicht den Beweis: Erst wenn Aixtron im dritten Quartal die angekündigten 160 bis 200 Millionen Euro Umsatz tatsächlich realisiert und die Lieferungen der neuen Lasersysteme anlaufen, zeigt sich, ob die Nachfrage in der Optoelektronik auch die schwache Leistungselektronik-Sparte kompensieren kann. Bis dahin bleibt die Aktie zwischen einer bestätigten Wachstumsstory und einer sportlichen Bewertung gefangen, die beide Seiten schon für sich beanspruchen.

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