Bayer Glyphosat treibt Gewinn|Cashflow als Schwachpunkt?

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Positive Überraschung

Bayer überrascht im zweiten Quartal positiv – aber nicht, weil der gesamte Konzern wieder rundläuft. Der bereinigte operative Gewinn stieg auf 2,14 Milliarden Euro, während der Markt mit weniger gerechnet hatte. Die Aktie legte zeitweise rund fünf Prozent zu. Der entscheidende Motor war die Agrarsparte Crop Science.

Agrar als Gewinnmotor

Dort wuchs das operative Ergebnis um gut 30 Prozent auf 902 Millionen Euro. Bayer verkaufte mehr glyphosatbasierte Herbizide, erzielte bessere Preise und senkte zugleich die Herstellungskosten. Zusätzlich belebte die Wiederzulassung von Dicamba-Produkten in den USA das Geschäft mit Soja- und Baumwollsaatgut. Das ist die direkte Kette: mehr zugelassene Anwendungen, mehr Saatgutnachfrage, höhere Mengen und Preise – und dadurch deutlich mehr Gewinn.

Neue Lesart der Aktie

Damit verändert sich die bisherige Lesart der Aktie. Bayer wurde zuletzt vor allem als Monsanto- und Glyphosat-Rechtsfall betrachtet, mit einer möglichen Aufspaltung als Ausweg. Der Erfolg vor dem US-Supreme-Court Ende Juni hat den juristischen Druck zwar reduziert. Doch nun zeigt sich auch operativ, dass ausgerechnet das frühere Problemgeschäft den Konzern durch eine schwierige Phase trägt.

Gewinn ohne Cashflow

Das bedeutet allerdings nicht, dass Bayer saniert ist. In der Pharmasparte fallen die Umsätze von Xarelto und Eylea wegen ausgelaufener Patente, während neue Medikamente diese Lücke erst nach und nach schließen. Noch deutlicher ist der Blick auf das Geld: Der freie Cashflow lag im Quartal bei minus 371 Millionen Euro, nach plus 125 Millionen im Vorjahr. Ein Gewinnsprung, der nicht in gleicher Weise im Cashflow ankommt, ist für einen hoch verschuldeten Konzern kein nebensächliches Detail.

Schulden und Rechtsrisiko

Bayer hat die Zielverschuldung für das Jahresende zwar auf 29 bis 30 Milliarden Euro gesenkt. Dazu trägt auch der Einstieg von Apollo mit rund drei Milliarden Euro bei. Gleichzeitig bleibt der geplante Vergleich im Glyphosat-Streit ein entscheidender Test. Am 19. August soll ein Gericht in Missouri die mögliche Vereinbarung über bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar prüfen. Erst diese Anhörung und die weitere Entwicklung zeigen, wie viel vom juristischen Risiko tatsächlich verschwindet.

Der bessere Prüfpunkt

Für Aktionäre heißt das: Der Kursanstieg ist durch ein starkes Agrarquartal erklärbar, aber noch kein Beweis für einen dauerhaften Turnaround. Für Beobachter liegt der bessere Prüfpunkt nicht in der Schlagzeile, sondern in zwei Fragen: Dreht der freie Cashflow wieder ins Positive – und können Nubeqa, Kerendia und weitere neue Medikamente die Patentverluste in der Pharma-Sparte auffangen?

Turnaround-Wette

Die aktuellen Daten sprechen für einen operativen Rebound, möglicherweise unterstützt durch einen günstigen Agrarzyklus und Kostensenkungen. Sie belegen aber noch keinen strukturellen Neustart des Gesamtkonzerns. Bayer verdient wieder mehr, doch solange Cashflow und Rechtsrisiken nicht dauerhaft unter Kontrolle sind, bleibt die Aktie eine Turnaround-Wette mit sichtbarem Fortschritt – und einer offenen Rechnung.

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