Bayer nach Sieg überkauft|Rally fällt 5,39% vor Anhörung

· DAX

Bayer nach dem Gerichtssieg

Bayer schloss am Freitag bei 50,18 Euro, ein Kurssprung von 42,6 Prozent binnen 30 Tagen. Am Tag des Supreme-Court-Urteils war die Aktie bereits um 18 Prozent gesprungen.

Doch ausgerechnet nach diesem Rechtssieg verlor die Aktie diese Woche wieder 5,39 Prozent. Der RSI steht bei 70,4 und signalisiert eine überkaufte Aktie.

Die Frage ist nicht mehr, ob der Rechtssieg Bayer entlastet, sondern ob der Kurs die eigene Erleichterung längst überzogen hat. Genau dieses Missverhältnis zwischen Kurs und bestätigtem Fakt entscheidet die kommenden Wochen.

Zwei Banken, zwei Lesarten

Goldman Sachs hob das Kursziel für Bayer von 55 auf 62,50 Euro an und bestätigte die Einstufung Buy. Jefferies dagegen beließ die Einstufung bei Hold, mit einem Kursziel von nur 46 Euro.

46 Euro liegt unter dem aktuellen Kurs von 50,18 Euro. Jefferies-Analyst Michael Leuchten verweist auf die hohe Verschuldung und anhaltende Mittelabflüsse, unabhängig vom Prozessausgang.

Auch Ratingagentur Fitch bestätigte zwar die Bonitätsnote BBB, beließ den Ausblick trotz des Gerichtssiegs aber auf negativ. Begründet wird das mit anhaltenden operativen Unsicherheiten, nicht mit dem Glyphosat-Verfahren.

Was der Rechtssieg nicht gelöst hat

Wer den Supreme-Court-Sieg als Schlusspunkt liest, übersieht, dass er nur die Kennzeichnungsklagen betrifft. Über 60.000 Klagen einzelner US-Bundesstaaten laufen unabhängig davon weiter.

Für diese strebt Bayer einen Vergleich über bis zu 7,25 Milliarden Dollar an. Die entscheidende Anhörung dazu in Missouri wurde von Anfang Juli auf den 19. August verschoben.

Parallel prüft Bundesrichter Vincent Chhabria in San Francisco knapp 4.000 weitere Bundesklagen. Er nannte die bisherigen Stellungnahmen beider Seiten unbefriedigend und forderte detailliertere Ausführungen.

Die Konsolidierung des US-Glyphosatgeschäfts in die neue Einheit Ruveon gilt als Vorbereitung für eine mögliche Abspaltung. Solange Ruveon aber Teil des Konzerns bleibt, trägt Bayer die Haftungsrisiken weiter mit.

Zwei Termine entscheiden

Zwei Termine legen fest, ob die Bewertung trägt. Am 4. August endet mit den Halbjahreszahlen die seit dem 15. Juli laufende Quiet Period, dann muss Bayer sinkende Nettoverschuldung und stabileren Free Cashflow zeigen.

Am 19. August entscheidet der Richter in Missouri über den 7,25-Milliarden-Vergleich. Bestätigt er ihn, verliert das bärische Szenario seine Grundlage, bricht die Anhörung erneut, wiegt der überkaufte Chart schwerer.

Für Halter entscheidet der 4. August, ob die operative Substanz die Bewertung stützt oder Fitch mit der Skepsis recht behält. Für Einsteiger markiert eine Bestätigung am 19. August bei fallendem RSI das Setup, ein weiterer Aufschub bei RSI 70,4 bleibt die Falle.

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