BMW|8.000 Jobs weg, Kurs -25%

· DAX

Der Kahlschlag

BMW baut weltweit rund 8.000 Stellen ab, mehr als die Hälfte davon in Deutschland. Die Aktie hat seit Mai bereits ein Viertel ihres Werts verloren und notiert mit knapp unter 60 Euro weit unter der 200-Tage-Linie bei 80 Euro. Als letzter der großen deutschen Autokonzerne zieht nun auch München die Reißleine, nach Volkswagen, Audi, Mercedes und Porsche.

Noch vor wenigen Monaten schien BMW die Autokrise vergleichsweise unbeschadet zu überstehen, während die Konkurrenz längst Werke schloss und Zehntausende Stellen strich. Neu-Chef Milan Nedeljković, erst seit Mitte Mai im Amt, schnürt nun das größte Sparpaket seit der Finanzkrise vor fast 20 Jahren. Die Frage, die sich Anlegern stellt, ist nicht ob BMW spart, sondern ob es reicht.

Konkret bekommen rund 50.000 der 84.000 deutschen Mitarbeiter außerhalb der Produktion ein freiwilliges Abfindungsangebot, das von Oktober 2026 bis Ende 2027 läuft. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nach Unternehmensangaben nicht geben. Besonders hart trifft es Verwaltung und Entwicklung in München, wo allein im Forschungszentrum FIZ rund 25.000 Menschen arbeiten.

Die Ursache

Der Auslöser reicht bis Mitte Juni zurück, als Nedeljković nur einen Monat nach Amtsantritt eine deutliche Gewinnwarnung aussprechen musste und einen Rückgang von Konzernergebnis und Autoabsatz ankündigte. Als Hauptgrund gilt der einbrechende China-Markt, wo chinesische Hersteller im Elektrosegment kontinuierlich Marktanteile gewinnen und den Preisdruck auf Premiummarken massiv erhöhen.

Nedeljković macht dabei auch die Politik verantwortlich. Er spricht von einer substanziellen Veränderung der Spielregeln der Industrie und kritisiert marktferne politische Zielvorgaben sowie Protektionismus, die nicht wieder verschwinden würden. Finanzchef Walter Mertl hatte bereits im Juni Einmalbelastungen von rund einer Milliarde Euro für die Restrukturierung angekündigt, ohne die genaue Aufteilung auf den Personalabbau zu beziffern.

Die Reaktionen fallen gespalten aus. Die IG Metall Bayern kommentiert den Abbau vergleichsweise verständnisvoll und verweist auf den wegbrechenden China-Markt, während Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer kritisiert, dass ein Angebot an alle Mitarbeiter im indirekten Bereich statt gezielter Auswahl zeige, dass es gar keinen echten Abbauplan gebe. Diese Uneinigkeit deutet an, wie unklar selbst innerhalb der Branche ist, ob das Programm die Kostenstruktur wirklich trifft oder nur breit streut.

Der Blick nach vorn

Bereits heute legt BMW seine Zahlen für das zweite Quartal vor, die ersten unter Nedeljković als Konzernchef. Die Gewinnwarnung im Juni, sinkende Absatzzahlen und die bereits schwachen Zahlen der deutschen Konkurrenz machen Aktionären wenig Hoffnung auf positive Überraschungen. Der Markt wartet vor allem auf konkrete Angaben, wie stark der Stellenabbau das Ergebnis in der zweiten Jahreshälfte belastet.

Das eigentliche Signal liegt nicht darin, dass ausgerechnet BMW jetzt kürzt, sondern darin, dass mit BMW der letzte verbliebene deutsche Autokonzern in denselben Sanierungsmodus wechselt wie Volkswagen, Mercedes, Audi und Porsche. Die gesamte deutsche Autoindustrie leidet unter dem chinesischen Wettbewerbsdruck, US-Zöllen und geopolitischen Unsicherheiten, die sich laut Nedeljković strukturell nicht mehr umkehren lassen.

Für Anleger bleibt die Aktie damit an einem Wendepunkt: Der Kursverfall seit Mai spiegelt bereits einen Teil der schlechten Nachrichten, doch ob der harte Schnitt tatsächlich die historische EBIT-Marge von 8 bis 10 Prozent wiederherstellen kann, hängt an den heutigen Quartalszahlen und dem Ausblick des neuen Managements. Solange keine konkreten Einsparziele genannt werden, bleibt die Entlastung für die Marge eine Ankündigung, keine belegte Größe.

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