Commerzbank 39 Prozent gesichert|UniCredit-Tausch oder Bargebot bis 3. Juli?

· DAX

Die Zaunkönigsfrist beginnt — und mit ihr der Druck

Die Commerzbank-Aktie erreichte diese Woche erstmals seit der Finanzkrise 2007 wieder mehr als 38,50 Euro — nicht wegen starker Quartalszahlen, sondern weil UniCredit nach Ablauf der ersten Annahmefrist 39,3 Prozent der Anteile hält.

Das klingt nach einem Erfolg für die Mailänder Bank. Doch die Annahmequote von 12,5 Prozent erzählt eine andere Geschichte: Rund 60 Prozent der Freefloat-Aktionäre haben das Tauschangebot abgelehnt.

Warum ist das brisant? Das Tauschangebot lautete auf UniCredit-Aktien, keine Barleistung. Wer andiente, tauschte einen DAX-Bankentitel mit starkem Eigenständigkeitskurs gegen einen Euro-Stoxx-Titel, der in den vergangenen zwölf Monaten schlechter lief.

Das Bottleneck ist nicht die 39,3-Prozent-Schwelle, sondern die Bewertungsfrage: Fondsmanager Dirk Sammüller, der für den Greiff Special Situations erst vor wenigen Wochen bei rund 31 Euro einstieg, erklärte gegenüber der FAZ explizit, er werde auch in der Zaunkönigsfrist nicht andienen — und erwartet stattdessen ein höheres Angebot. Dieselbe Situation, dieselben Zahlen, zwei gegensätzliche Schlussfolgerungen: UniCredit sieht das Tauschangebot als ausreichend, ein identifizierbarer institutioneller Käufer hält dagegen.

Die Zaunkönigsfrist läuft bis zum 3. Juli. In dieser Periode können Aktionäre weiterhin ihre Anteile einreichen. Das Fenster ist klein — und das Risiko asymmetrisch.

Die politische Blockade und ihr Preisschild

Dass 60 Prozent der Aktionäre nicht angedient haben, hängt nicht nur an der Bewertung. Die Bundesregierung, das Land Niedersachsen mit 20 Prozent Stimmrechtsanteil und die Commerzbank-Unternehmensführung haben öffentlich Position gegen einen schnellen Übernahmeabschluss bezogen.

Das ist kein symbolischer Widerstand. Für eine vollständige Übernahme braucht UniCredit eine Zweidrittelmehrheit im Aufsichtsrat. Niedersachsen und die Arbeitnehmervertreter stellen gemeinsam über 50 Prozent der Sitze — damit haben sie faktisch ein Vetorecht über jeden Schritt, der über eine Minderheitsbeteiligung hinausgeht.

Genau hier liegt die verborgene Annahme, die viele Marktbeobachter als gegeben behandeln: Sie rechnen damit, dass UniCredit spätestens nach Überschreiten der 40-Prozent-Schwelle ein höheres Bargebot vorlegen wird, um die politischen Widerstände zu überwinden. Aber diese Logik setzt voraus, dass UniCredit überhaupt bereit ist, den Preis zu erhöhen — und das ist nicht gesichert.

UniCredit-Chef Andrea Orcel hat in der Vergangenheit betont, dass keine Übernahme ohne klare Rentabilitätsperspektive stattfinden werde. Die Commerzbank handelt aktuell nahe ihrem fairen Wert nach eigener Einschätzung. Ein deutlich höheres Bargebot würde die Synergierechnung für UniCredit erheblich belasten.

Das Paradox: Wer auf ein höheres Angebot wartet, wettet darauf, dass UniCredit eine Prämie zahlt, die die eigene Rentabilität schmälert. Wer jetzt andiendet, akzeptiert möglicherweise zu früh einen zu niedrigen Kurs. Der Markt hat diesen Widerspruch noch nicht aufgelöst.

Tendern oder halten — was der 3. Juli entscheidet

Für Aktionäre, die noch halten, stellt sich die Frage nicht abstrakt, sondern mit konkretem Datum: Am 3. Juli endet die Zaunkönigsfrist.

Wer bis dahin nicht andiendet, bleibt Commerzbank-Aktionär in einem Unternehmen, das operativ deutlich stärker dasteht als noch vor zwei Jahren. Die Bank hat Aktienrückkäufe beschlossen, Dividenden erhöht und eine verbesserte Kapitalquote vorzuweisen. Barclays hat das Kursziel bei 42 Euro bestätigt — beim aktuellen Kurs von unter 38,50 Euro bleibt ein potenzieller Aufstieg.

Wer andiendet, erhält UniCredit-Aktien. Diese sind von ihrer eigenen Entwicklung abhängig, die zuletzt hinter Commerzbank zurückblieb. Zudem sind die eingereichten Aktien dauerhaft aus dem Commerzbank-Freefloat heraus — ein Rücktausch ist nicht möglich.

Was entscheidet diesen Handel? Nicht die aktuelle Commerzbank-Bewertung, sondern die Wahrscheinlichkeit eines Nachfolge-Bargebots. Wenn UniCredit nach dem 3. Juli keinen weiteren Schritt unternimmt, könnte der Kurs auf fundamentale Bewertungsniveaus zurückfallen — die ohne Übernahmeprämie deutlich tiefer liegen.

Das Monitoring-Signal für beide Aktionärsgruppen ist dasselbe: Was macht UniCredit nach dem 4. Juli? Kündigt Orcel eine Aufstockung oder ein Bargebot an, rechtfertigt sich das Warten. Bleibt es still, ist die Prämie möglicherweise bereits vollständig eingepreist.

Inhaber sollten vor dem 3. Juli prüfen, ob ihre UniCredit-Exposition vertretbar ist. Beobachter ohne Position warten besser auf das Verhalten von UniCredit unmittelbar nach Fristablauf — das ist der einzige Datenpunkt, der die Lage klärt.

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