DAX vs. Siemens Energy|Ifo-Absturz trifft nur einen

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Iran-Schock und ifo

Siemens Energy kletterte am Freitag auf ein Allzeithoch von 191,66 Euro. Zur gleichen Stunde fiel der ifo-Geschäftsklimaindex auf 84,4 Punkte — den tiefsten Stand seit Mai 2020. Zwei Realitäten, die sich direkt widersprechen. Wie ist das möglich?

Die Antwort liegt in der Asymmetrie des Iran-Kriegs. Die Straße von Hormus bleibt blockiert. Energiepreise steigen. Logistikketten reißen. Genau das, was energieintensive Industrien wie Chemie, Bau und Handel lähmt, treibt die Nachfrage nach Energieinfrastruktur in die Höhe. ifo-Präsident Clemens Fuest kommentierte: „Die Irankrise trifft die deutsche Wirtschaft hart." Gleichzeitig meldete Siemens Energy einen Auftragseingang von 17,75 Milliarden Euro — 30 Prozent über dem Vorjahr. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnte, das Wachstum dürfte selbst bei einer Öffnung der Meerenge Ende Mai noch um 0,4 Prozentpunkte schrumpfen. Der ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe formulierte es knapp: „Die Unsicherheit frisst sich durch die Wirtschaft."

Doch die Unsicherheit frisst nicht überall gleich. Gasinfrastruktur und Netzausbau bei Siemens Energy wachsen mit 32 beziehungsweise 41 Prozent — gerade weil die Hormus-Krise den Bedarf an gesicherter Energieversorgung sichtbar macht. Der Konzern hob seinen Nettogewinnausblick auf 4 Milliarden Euro an und stellt einen Free Cashflow von rund 8 Milliarden Euro in Aussicht. Bank of America erhöhte ihre Cashflow-Prognose um 40 Prozent und liegt damit 42 Prozent über dem Marktkonsens.

SAP und Rüstung

Was den ifo-Index drückt, zwingt den DAX nicht ins Minus — weil zwei Sektoren gegenhalten. SAP meldete starke Q1-Zahlen und drehte das Bild im Leitindex. Finanzvorstand Dominik Asam sagte, SAP sei „einer der größten Profiteure der KI" — und die Zahlen stützen das. Cloud-Umsätze stiegen deutlich. Die Prognose blieb bewusst vorsichtig, was Analysten als Signal werteten, dass der Konzern lieber übererfüllt als enttäuscht. Die SAP-Aktie stabilisierte den DAX an einem Tag, an dem Rheinmetall, Mercedes-Benz und Porsche unter Druck standen.

Rheinmetall verlor fast vier Prozent und rutschte auf 1.352 Euro. Das Unternehmen liegt 33 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Dabei meldet der Konzern 350.000 Bewerbungen im Jahr, plant den Aufbau auf 70.000 Mitarbeiter bis 2030 und will im neuen Marinebereich bei Blohm+Voss Wasserdrohnen produzieren. CEO Armin Papperger erwartet für 2026 ein Umsatzplus von 40 Prozent auf 14 bis 15 Milliarden Euro. Die Q1-Zahlen kommen erst am 7. Mai — bis dahin dominiert die Charttechnik die Kursbewegung. Der Markt verkauft den Kurs, nicht das Unternehmen.

Hensoldt traf es härter: China setzte den Rüstungskonzern auf eine Exportkontrollliste, zusammen mit sechs weiteren EU-Firmen. Der Grund ist Taiwan. Das ist kein regulatorisches Detail — es ist eine geopolitische Zäsur. Wer auf europäische Rüstungsaktien setzt, muss nun einpreisen, dass China gezielt Gegenmaßnahmen einsetzt.

Knotenpunkt Hormus

Alle Bewegungen dieser Woche laufen in einem Punkt zusammen: der Straße von Hormus. Bleibt sie blockiert, steigen Öl- und Gaspreise weiter. Die EZB steht damit vor einem klassischen Stagflationsdilemma — Inflation nach oben, Wachstum nach unten. Mehrere Notenbanken, darunter Fed, EZB und Bank of England, tagen in der kommenden Woche. Analysten erwarten mehrheitlich eine abwartende Haltung, bis die geopolitische Lage klarer ist.

Am Freitagabend reiste Irans Außenminister Abbas Araghtschi nach Pakistan. US-Sonderbeauftragter Steve Witkoff und Jared Kushner sollen ebenfalls dorthin entsandt werden. Das sind erste konkrete Verhandlungssignale — und der deutsche Anleihenmarkt reagierte sofort: Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf 2,99 Prozent.

Das Gesamtbild zeigt eine Wirtschaft in der Warteschleife. Sollte die Straße von Hormus bis Ende Mai wieder geöffnet werden, rechnet die Bundesregierung immer noch nur mit 0,5 Prozent Wachstum für 2026. Commerzbank-Volkswirt Krämer sieht selbst dann faktisch eine schwarze Null — der Fiskalimpuls der Bundesregierung werde durch Energiepreisschock und US-Zölle weitgehend neutralisiert. Die Lage dreht sich, wenn Pakistan-Gespräche zu einer Deeskalation führen: Dann könnten Öl- und Gaspreise fallen, Anleiherenditen steigen, und der ifo-Index im Mai stabilisieren. Wer morgen prüfen will, wie das Wochenende verlaufen ist, sollte auf die Ölpreisbewegung und erste Berichte aus Islamabad achten. Wenn Araghtschi ohne Ergebnis abreist, bleibt der Druck bestehen — und ein dritter schlechter ifo-Monat in Folge würde nach der Daumenregel offiziell einen Abschwung anzeigen.

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