Delivery Hero 41,50 EUR|Glovo-Gift bremst 13-Milliarden-Deal

· DAX

Ein Preis, der nicht begeistert

Delivery Hero bekommt heute ein Übernahmeangebot zu 41,50 Euro je Aktie in bar — und die Aktie bewegt sich kaum. Dabei hat Uber den Preis seit Mai von 33 Euro auf 41,50 Euro erhöht, eine Verbesserung von fast 26 Prozent. Dass diese Offerte den Kurs nicht deutlich anhebt, ist das erste Signal, dass hier mehr im Spiel ist als ein simples Übernahme-Premium.

Uber und Delivery Hero wickelten 2025 zusammen Bestellungen im Wert von 236 Milliarden Dollar ab. Uber wird durch den Kauf zum größten Essenslieferdienst außerhalb von China — präsent in 99 Ländern, davon in 58 Märkten sowohl mit Mobilität als auch mit Lieferung. Das ist strategisch eindeutig. Trotzdem greift der Markt die Prämie nicht mit beiden Händen.

Jefferies-Analyst Giles Thorne sieht in einer ersten Reaktion kaum Spielraum für Aktionäre, einen höheren Übernahmepreis durchzusetzen, und auch kaum Chancen auf einen Gegenbieter. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger dagegen geht davon aus, dass die Übernahme für Berlin Arbeitsplatzverluste bedeute — Umstrukturierungen seien zu erwarten. Damit stehen sich zwei Lager gegenüber: Akzeptanz zum gebotenen Preis oder Warten auf ein Wunder.

Der entscheidende Grund für die verhaltene Kursreaktion liegt nicht in der Höhe des Angebots. Er liegt in dem, was Delivery Hero vor der Übernahme loswerden muss. Uber übernimmt das Geschäft in 50 Märkten direkt. Aber 14 weitere Ländermärkte — darunter ein hochprofitabler, hochbrisanter Markt — wurden aus dem Deal herausgelöst und sollen für 1,4 Milliarden Euro an den New Yorker Finanzinvestor SSW Partners gehen. Die Frage dahinter ist, ob SSW Partners diesen Preis tatsächlich zahlen wird.

Das toxische Asset aus Barcelona

Glovo, der in Barcelona ansässige Lieferdienst, hat in Spanien einen Marktanteil von rund 50 Prozent — das ist der mit Abstand wichtigste und umsatzstärkste Einzelmarkt in Europa für diese Marke. Doch Glovo war für Delivery Hero in den vergangenen Jahren nicht nur Quelle für Umsatz, sondern auch für Rekord-Geldstrafen in dreistelliger Millionenhöhe, von denen ein großer Teil noch nicht bezahlt wurde.

Begonnen hat das mit einer Strafzahlung von 78,9 Millionen Euro wegen Scheinselbstständigkeit, die Spaniens Arbeitsministerin 2022 anordnete. Das Oberste Gericht in Spanien betrachtete die Beziehung von Glovo zu seinen Fahrern als allgemeines Arbeitsverhältnis — Glovo hatte die Fahrer jahrelang als selbstständige Unternehmer eingestuft und damit Sozialabgaben bei rund 10.600 Fahrern in Barcelona und Valencia gespart. Hinzu kam eine Beitragsnachforderung von 125,3 Millionen Euro an ausstehenden Sozialversicherungsbeiträgen.

Hier liegt die eigentliche Paradoxie: Spanien ist Glovos größter Einzelmarkt in Europa — und gleichzeitig das Asset, das niemand kaufen möchte. Branchenkenner formulieren das direkt: Niemand will Glovo kaufen. Delivery Hero und Uber haben Glovo Spanien nicht deshalb aus dem Deal herausgelöst, weil kartellrechtliche Bedenken es zwangen — Uber Eats ist in Spanien seit 2015 selbst aktiv, da wäre die Überlappung offensichtlich. Sie haben es herausgelöst, weil ein Asset mit ungeklärten Zahlungsverpflichtungen in dreistelliger Millionenhöhe und laufenden Gewerkschaftsklagen kein attraktives Übernahmeziel ist.

SSW Partners, der New Yorker Finanzinvestor, soll für das 14-Länder-Paket 1,4 Milliarden Euro zahlen — aber nur unter der Voraussetzung, dass die Uber-Übernahme von Delivery Hero überhaupt gelingt. SSW Partners will das Paket dann aufspalten und in mehreren Teilen weiterverkaufen. Das bedeutet: Der Käufer für Glovo Spanien steht noch gar nicht fest. Der Preis, zu dem diese Last weitergeht, ist unbekannt. Und die ausstehenden Bußgelder bleiben in der Schwebezone bis zum Vollzug.

Kartellhürde und die zwei Ausgänge

Die Transaktion kann frühestens in der zweiten Hälfte 2027 abgeschlossen werden — die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus. Dass Delivery Hero die 14 Überschneidungsmärkte im Vorfeld aus dem Deal herausgehalten hat, lässt sich als kalkuliertes Signal an die Behörden lesen: Man hat die kartellrechtlich kritischen Positionen bereits vorab abgetrennt. Jefferies wertet diesen Schritt positiv. Doch die Freigabe liegt nicht allein in dieser Vorabmaßnahme — das Verfahren ist offen.

Das entscheidende Monitorvariable ist nicht die Frage, ob Uber seinen Angebotspreis von 41,50 Euro einhalten wird — das Unternehmen hat sich dazu verpflichtet, den Berliner Hauptsitz bis mindestens 2029 zu halten und zwei Milliarden Euro in Deutschland zu investieren. Die eigentliche Frage ist, ob Glovo Spanien rechtzeitig einen Käufer findet und zu welchem Preis — denn davon hängt ab, ob die 1,4-Milliarden-Valuation für das SSW-Partners-Paket trägt oder neu verhandelt werden muss.

Für Aktionäre mit Blick auf die Tender-Arbitrage gilt: Das Angebot von 41,50 Euro ist real und bindend — Jefferies sieht keinen Gegenbieter. Wer heute bei rund 40 Euro kauft, hat wenig Upside, aber auch wenig Downside, solange der Deal steht. Die Position wird zur Falle, wenn die Glovo-Disposition scheitert und die Deal-Struktur neu verhandelt werden muss. Das Confirmation Signal ist ein bestätigter Käufer für das Glovo-Spanien-Paket mit quantifiziertem Preis — dieser Moment, nicht der Kartellbescheid, ist der früheste Indikator dafür, ob der 13-Milliarden-Deal in der geplanten Struktur hält.

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