Deutsche Bank|Razzia trifft Zentrale, Kurs bleibt stabil
Razzia in Frankfurt, Kurs bewegt sich kaum
Am Mittwochmorgen durchsuchen Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung die Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank. Im Verdacht stehen Cum-Cum-Geschäfte der früheren Postbank aus den Jahren 2008 bis 2010, mit einem geschätzten Steuerschaden von mehr als 350 Millionen Euro.
Trotz der Razzia notiert die Deutsche-Bank-Aktie im XETRA-Handel praktisch unverändert, zuletzt sogar 0,6 Prozent im Plus. Ein Kursverfall, wie man ihn bei einem dreistelligen Millionenschaden erwarten würde, bleibt vollständig aus.
Diese Reaktionslosigkeit ist der eigentliche Bruch mit der Erwartung. Der Markt scheint entweder das Risiko bereits eingepreist zu haben, oder er unterscheidet klar zwischen dem juristischen Lärm und der tatsächlichen Bilanzbelastung.
Finanzen.net berichtet, Investoren trennten sich am Vormittag vermehrt von der Aktie. Börse Online notiert zur gleichen Stunde einen überraschenden Kursanstieg trotz der negativen Meldung. Beide Quellen beschreiben denselben Handelstag, doch sie ziehen entgegengesetzte Schlüsse aus der Anlegerstimmung.
Die Postbank-Falle: Warum die Deutsche Bank haftet, obwohl sie nicht das Ziel ist
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf richten sich nicht direkt gegen die Deutsche Bank. Sie betreffen Geschäfte der Postbank aus den Jahren 2008 bis 2010, also aus einer Zeit vor der vollständigen Übernahme. Zehn ehemalige Topmanager der Postbank gelten als Beschuldigte.
Weil die Deutsche Bank die Postbank 2009 schrittweise übernahm und 2018 vollständig verschmolz, gilt sie rechtlich als Nachfolgerin. Die Durchsuchung findet deshalb in ihren Räumen statt, auch wenn die handelnden Personen von damals längst nicht mehr im Konzern sind.
Bereits seit März ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln parallel gegen die Deutsche Bank selbst, wegen eigener Cum-Cum-Geschäfte zwischen 2009 und 2015 mit einem vermuteten Volumen von mehr als 600 Millionen Euro. Die aktuelle Razzia ist damit nur ein Baustein in einem größeren, mehrgleisigen Verfahren.
Der volkswirtschaftliche Rahmen zeigt die Dimension: Die Bundesregierung beziffert den Gesamtschaden aus Cum-Cum-Geschäften auf 7,3 Milliarden Euro, einzelne Steuerrechtler wie Christoph Spengel gehen von bis zu 28 Milliarden Euro aus. Die Deutsche Bank ist damit einer von vielen Akteuren in einem branchenweiten Komplex, nicht der alleinige Fall.
Warum Analysten trotzdem am Kaufrating festhalten
Ausgerechnet am Tag der Razzia veröffentlicht JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein eine Studie, die an der Einstufung Overweight für die Deutsche Bank festhält. Begründet wird das mit starken Handelsgeschäft- und Investmentbanking-Erträgen der US-Konkurrenz, von denen auch europäische Häuser profitieren sollen.
Die Studie bewertet operative Ertragskraft, nicht das laufende Ermittlungsrisiko. Das ist die stille Annahme hinter jedem Kaufrating an diesem Tag: Bußgelder und Rückstellungen aus Cum-Cum-Verfahren gelten als nicht quantifizierbar und werden deshalb schlicht nicht eingepreist, bis eine konkrete Zahl vorliegt.
Für bestehende Aktionäre entscheidet nicht die Razzia selbst, sondern deren juristischer Ausgang. Eine Anklageerhebung mit konkreter Schadenssumme wäre das Signal, das die bisherige Gelassenheit beenden könnte, während eine Verfahrenseinstellung die aktuelle Kursruhe bestätigen würde.
Wer die Aktie beobachtet, sollte auf die nächste offizielle Mitteilung der Staatsanwaltschaft Düsseldorf zur Postbank-Sache achten. Bestätigt sich dort eine überschaubare Bußgeldsumme ohne Verknüpfung zur größeren Kölner Prüfung, wird aus der aktuellen Unsicherheit ein Einstiegspunkt. Weitet sich das Verfahren dagegen auf die 600-Millionen-Euro-Prüfung aus, kippt die Lage von juristischem Lärm zu einem echten Bilanzrisiko.
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