Deutsche Bank|Rekordgewinn trifft neue Justiz-Razzia

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Der Rekordgewinn

Die Deutsche Bank meldet für das zweite Quartal 2026 ein Vorsteuerergebnis von 2,68 Milliarden Euro. Das liegt nur minimal unter dem Rekordwert aus dem Boomjahr 2007. Unterm Strich blieb ein Nettogewinn von 1,64 Milliarden Euro, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Die Aktie reagierte sofort und legte an der Börse rund fünf Prozent zu, auf 32,68 Euro, und war damit größter Gewinner im Dax.

Treiber der Zahlen ist die Investmentbank. Ihr Vorsteuergewinn sprang um fast 60 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro und lieferte damit fast die Hälfte des Konzerngewinns. Die Erträge der Sparte kletterten auf rund 3,2 Milliarden Euro, den höchsten Stand seit der Neuaufstellung des Geschäftsbereichs 2019. Ausgerechnet jene Sparte, von der sich die Bank nach früheren Skandalen unabhängiger machen wollte, trägt jetzt die Erholung.

Analyst Kian Abouhossein von JPMorgan bezeichnete die Zahlen als auf ganzer Linie stark. Außer im Fondsgeschäft habe die Bank die Markterwartungen in praktisch allen Feldern übertroffen und im Anleihegeschäft sogar besser abgeschnitten als die US-Konkurrenz. Damit ist die erste Lesart klar: Ein historisch schwaches Institut liefert plötzlich Zahlen auf Vorkrisenniveau.

Sewings Ziele und der Rückkauf

Konzernchef Christian Sewing, seit April 2018 im Amt, äußerte sich entsprechend zuversichtlich. Er erklärte, die bisherigen Rekordergebnisse dieses Jahres stärkten die Zuversicht, die Ziele für 2028 zu übertreffen. Konkret will Sewing die Eigenkapitalrendite auf mehr als 13 Prozent steigern. Im zweiten Quartal lag sie erst bei 11 Prozent, was zeigt, wie viel Weg bis zum eigenen Anspruch noch bleibt.

Angesichts der überraschend guten Ergebnisse kündigte die Bank für das zweite Halbjahr einen weiteren Aktienrückkauf von 500 Millionen Euro an. Ein Rückkauf verringert die Zahl der umlaufenden Aktien, erhöht den Gewinn je Aktie und gilt als Signal, dass das Management die eigene Aktie für unterbewertet hält. Für das Gesamtjahr peilt die Bank Erträge von rund 33 Milliarden Euro an, nach 17,2 Milliarden Euro im ersten Halbjahr.

Die Deutsche Bank galt lange als das Institut mit dem Beinamen Peanuts-Bank, geplagt von Rechtsstreitigkeiten und schwacher Kapitalrendite. Der aktuelle Kurssprung macht nahezu die seit Jahresbeginn aufgelaufenen Verluste wett. Doch die Frage bleibt, ob ein einzelnes starkes Quartal in der volatilen Investmentbank-Sparte bereits die strukturelle Wende bedeutet, oder ob es sich um einen zyklischen Ausreißer handelt.

Der Schatten der Ermittlungen

Getrübt wird der Aufschwung durch die deutsche Justiz. Nachdem Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt bereits im Januar die Zentrale durchsucht hatten, folgte im Juli eine weitere Durchsuchung. Diesmal ging es um Beweise für fragwürdige Aktiengeschäfte aus früheren Postbank-Zeiten, deren Rechtsnachfolgerin die Deutsche Bank ist. Für einen Holder bedeutet das: Der operative Aufschwung läuft parallel zu einem ungelösten Rechtsrisiko.

Der Halbjahresgewinn von rund 3,6 Milliarden Euro bleibt knapp unter dem Vorkrisenwert von 2007 mit 3,9 Milliarden Euro. Damit ist die historische Bestmarke noch nicht erreicht, auch wenn die Bank 2025 mit 9,7 Milliarden Euro Vorsteuerergebnis bereits ihr bislang höchstes Jahresergebnis verzeichnete. Die Erholung ist real, aber die Bank operiert weiterhin im Schatten ihres eigenen historischen Maßstabs.

Sewing setzt zusätzlich auf Künstliche Intelligenz, um bis 2028 die Kosten je Ertragseuro auf unter 60 Cent zu senken, nach knapp 61 Cent im ersten Halbjahr. Für Anleger bleibt die Gemengelage klar umrissen: starke operative Zahlen und ein glaubwürdiger Rückkauf stehen einem ungelösten Ermittlungsverfahren gegenüber. Ob die Bank ihr Rekordjahr 2007 tatsächlich einholt, hängt davon ab, ob die Investmentbank-Erholung anhält oder sich als einmaliger Ausschlag erweist.

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