Deutsche Telekom|Gewinn stagniert trotz T-Mobile-Rekord
T-Mobile beats, Telekom falls
Die Aktie der Deutschen Telekom verliert am Donnerstag 3,89 Prozent und schließt bei 26,17 Euro, den zweiten Tag in Folge im unteren Drittel des Dax. Ausgerechnet an dem Tag, an dem die US-Tochter T-Mobile US eigentlich gute Nachrichten liefert.
T-Mobile US gewinnt im zweiten Quartal 277.000 neue Vertragskunden und übertrifft damit die Markterwartungen. Der Umsatz steigt um 7,9 Prozent auf 22,8 Milliarden Dollar, das bereinigte operative Ergebnis legt um 11,7 Prozent zu, und der Konzern hebt seine Prognose für den freien Barmittelfluss auf bis zu 18,8 Milliarden Dollar an. Auf jeder operativen Kennzahl übertrifft T-Mobile die Erwartungen des Marktes.
Und trotzdem gibt die T-Mobile-Aktie vorbörslich rund fünf Prozent nach, die Deutsche Telekom als Mutterkonzern zieht es mit nach unten. Die Antwort liegt nicht im Wachstum, sondern in einer einzigen Zeile weiter unten in der Bilanz: dem ausgewiesenen Gewinn.
Wo der Gewinn geblieben ist
Während Serviceumsatz und operatives Ergebnis zweistellig zulegen, stagniert der Nettogewinn von T-Mobile US nahezu. Der Markt honoriert nicht das Wachstum, sondern fragt, warum davon unter dem Strich so wenig ankommt.
Zwei Posten erklären die Lücke: 146 Millionen Dollar Abschreibungen im Zusammenhang mit der UScellular-Übernahme und 46 Millionen Dollar aus der laufenden Netzrestrukturierung. Beides sind Integrationskosten, keine operativen Schwächen – aber sie fressen genau den Gewinn auf, den die Wachstumszahlen versprechen.
Hinzu kommt eine strukturelle Wette: T-Mobile setzt weiter stark auf Hardware-Subventionen, um Kunden in höherwertige Tarife zu locken. Das treibt den Serviceumsatz, bleibt aber ein Kostenfaktor, der sich nicht von selbst auflöst, sondern jedes Quartal neu bezahlt werden muss.
Damit verschiebt sich die Frage: Nicht ob T-Mobile wächst, sondern ob dieses Wachstum sich in Zukunft in Gewinn übersetzt oder dauerhaft von Integrations- und Subventionskosten aufgezehrt wird. Genau diese Unsicherheit trifft die Deutsche Telekom als Mutterkonzern doppelt, denn sie kauft in dieser Phase weiter eigene Aktien zurück.
Zwischen dem 13. und 17. Juli erwarb der Konzern 1,35 Millionen eigene Aktien über Xetra, zu einem gewichteten Durchschnittskurs zwischen 26,41 und 27,25 Euro. Nach dem Kursrutsch auf 26,17 Euro notiert die Aktie nun unterhalb dieser Spanne – das Rückkaufprogramm kauft aktuell teurer ein, als der Markt die Aktie bewertet.
Zwei Banken, ein Insider
Am 21. Juli senkt die Deutsche Bank ihr Kursziel für die Telekom-Aktie von 42 auf 40 Euro, behält die Einstufung Buy aber bei. Analyst Robert Grindle begründet den Schritt damit, dass Konkurrenzprojekte wie Starlink und Stargate die Telekom nicht mehr so hell leuchten lassen wie früher. JPMorgan dagegen bestätigt sein Overweight-Rating mit demselben Kursziel von 40 Euro und verweist auf die stabilen Cashflows.
Während der Markt verkauft, kauft ein Vorstandsmitglied: Rodrigo Francisco Diehl erwarb Anfang Juli fast 3.000 Telekom-Aktien zu Kursen von 24,15 und 24,64 Euro, umgerechnet rund 73.430 Euro. Ein Insider mit direktem Einblick in die Zahlen positioniert sich, während die Deutsche Bank vor strukturellem Wettbewerbsdruck warnt.
Diese Konstellation löst sich nicht analytisch auf: Ein Analyst mit Marktüberblick sieht Starlink als strukturelle Bedrohung, ein Vorstandsmitglied mit internem Einblick kauft trotzdem zu. Beide Positionen sind mit echtem Geld unterlegt, und beide können nicht gleichzeitig recht behalten, wenn sich der Kurs in eine Richtung entscheidet.
Der 6. August entscheidet
Die eigentliche Antwort liefert nicht T-Mobile, sondern die Deutsche Telekom selbst: Am 6. August veröffentlicht der Konzern seine eigenen Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr. Dort zeigt sich, ob sich die operative Stärke der US-Tochter tatsächlich im Konzerngewinn niederschlägt oder erneut von Integrationskosten aufgefressen wird.
Für Bestandsaktionäre ist der Rückkauf unterhalb der eigenen Kaufspanne kein Alarmsignal, solange der Konzern am 6. August zeigt, dass sich Wachstum in Gewinn übersetzt – dann bestätigt sich die Position des kaufenden Vorstands. Zeigt der Bericht dagegen erneut eine Lücke zwischen operativer Stärke und Gewinn, bestätigt sich die Sorge der Deutschen Bank vor strukturellem Druck, und ein Einstieg unterhalb von 27 Euro wird zur Falle statt zur Gelegenheit. Genau diese eine Kennzahl – der Konzerngewinn im Verhältnis zum Wachstum – ist es, was Anleger vor dem 6. August beobachten sollten.
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