easyJet 7,15 Pfund Apollo-Gebot|Kurs 14% darunter Zerschlagung?

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Apollo gegen Castlelake — der Bieterkrieg und die Kurs-Lücke

easyJet hat heute einem Übernahmeangebot von Apollo Global grundsätzlich zugestimmt — 7,15 Pfund je Aktie, ein Gesamtwert von 6,7 Milliarden Euro. Das Problem liegt im Kurs: Er notiert bei 6,14 Pfund, vierzehn Prozent unter dem Angebotspreis. Ein Markt, der einen Deal als sicher betrachtet, schließt diese Lücke fast vollständig. Dieser hier tut es nicht — und das zeigt das eigentliche Kernproblem.

Wenige Tage zuvor hatte easyJet einem Angebot von Castlelake in Höhe von 6,90 Pfund je Aktie im Grundsatz zugestimmt. Dann trat Apollo auf den Plan und bot 7,15 Pfund — der Vorstand wechselte die Seite. Seit Castlelake Ende Mai erstmals Interesse bekundete, ist die Aktie um mehr als 50 Prozent gestiegen. Dieser Kursanstieg klingt wie eine Erfolgsgeschichte. Was er tatsächlich zeigt, ist die Frage, die der Markt noch nicht beantworten kann.

Apollo beteuert ausdrücklich, easyJet als intaktes Unternehmen fortführen zu wollen. Experte Gerald Wissel hält dieses Bekenntnis für ernsthaft. Aber Bernstein-Analyst Alex Irving rechnet mit anderen Zahlen: Die Einzelteile von easyJet — Flotte, Orderbuch, Slots, Urlaubsgeschäft — seien in Summe deutlich mehr wert als das Unternehmen als Ganzes. Was entscheidet, wer Recht hat, ist nicht Apollos Absichtserklärung — es ist die Struktur des Deals.

Die Zerschlagungsrechnung — was easyJet wirklich wert ist

Allein die fast 210 Airbus-Jets im Besitz von easyJet sind laut Bernstein mindestens 4,4 Milliarden Pfund wert. Das Urlaubsgeschäft easyJet Holidays kommt auf weitere 1,5 Milliarden Pfund. Den größten Hebeleffekt bieten die noch nicht gelieferten Flugzeuge: easyJet hat als Großbesteller Bezugsrechte für rund 280 Airbusse zu Vorzugskonditionen erworben. Jedes dieser Rechte lässt sich auf dem Sekundärmarkt mit einem Aufschlag von mindestens drei bis fünf Millionen Pfund weiterverkaufen — konservativ gerechnet 1,2 Milliarden Pfund allein aus dem Orderbuch.

Berater Linus Bauer von der Branchenberatung BAA bringt den Kern auf den Punkt: Castlelake sehe easyJet nicht als Airline, sondern als eine unterbewertete Asset-Sammlung mit angeschlossenem Flugbetrieb — nicht umgekehrt. Das ist keine Unterstellung, es ist Castlelakes Geschäftsmodell. Der Fonds verwaltet Vermögenswerte von 38 Milliarden Dollar und hat sich auf die Strukturierung von Luftfahrt-Assets spezialisiert — nicht auf das Betreiben von Fluggesellschaften. Der Fortführungs-Beschleuniger Castlelake ist logisch inkonsistent.

Hier liegt das Paradox: Apollo hat das Rennen übernommen, aber Castlelake ist noch nicht offiziell aus dem Prozess ausgeschieden. Die Zerschlagungslogik des ersten Bieters hängt als Schatten über jedem Apollo-Versprechen. Denn falls Apollo — aus welchem Grund auch immer — am 7. August kein verbindliches Angebot vorlegt, fällt das Verfahren auf Castlelakes Grundsatzvereinbarung zurück. Die Fortführungs-These ist real, aber sie ist nicht die einzige Logik, die in diesem Raum sitzt.

EU-Eigentumsregeln — der strukturelle Killswitch

Das größte Risiko für den Deal ist nicht Apollos Absicht — es ist das EU-Recht. Fluggesellschaften, die in der Europäischen Union operieren, müssen nach geltendem Recht mehrheitlich im Besitz von EU-Bürgern stehen und von diesen kontrolliert werden. Nick Longhurst von Marathon Asset Management benennt das direkt: Es ist eine schwierige Situation — der Vorstand habe die EU-Vorgaben berücksichtigt, aber es gäbe weiterhin offene Fragen zu Finanzierung und Kontrolle. Castlelake ist ein US-Fonds. Apollo ist ein US-Fonds.

Ein Aktionär, der nicht namentlich genannt werden wollte, stellte nüchtern fest: Das aktuelle Kursniveau deute darauf hin, dass der Markt dem Scheitern des Deals eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 30 Prozent einpreise. JP Morgan äußerte Bedenken, wie Castlelake und easyJet die EU-Eigentumsvorschriften überhaupt erfüllen wollen. Für Apollo gelten dieselben Regeln. Castlelake hat eine Lösung skizziert — lediglich 49 Prozent zu halten, die restlichen Anteile an zwei EU-Bürger und ehemalige Luftfahrtmanager zu übertragen. Ob das der EU-Aufsicht reicht, ist offen.

Hier kommen Passagiere ins Bild. easyJet hält an Flughäfen wie Genf und am Euro-Airport Basel-Mülhausen jeweils rund 50 Prozent Marktanteil. Falls die Übernahme an EU-Regeln scheitert oder eine Zerschlagung folgt, würden laut Experte Wissel vor allem Ryanair und Wizz Air diese Marktanteile übernehmen. Das bedeutet für die betroffenen Regionen weniger Auswahl und höhere Preise — ein EU-Mitarbeiter der Kartellbehörde sagte, die Menschen in Europa hätten dann deutlich weniger Bewegungsfreiheit. Das ist der Grund, warum Schweizer und britische Regierungen den Prozess beobachten.

Stelios-Faktor und die Monitoring-Variable

Easyjet-Gründer Stelios Haji-Ioannou hält noch immer rund 15 Prozent der Anteile. Er hat in der Vergangenheit wiederholt kritisch auf externe Eingriffe in die Strategie der Airline reagiert. Seine Haltung zum Apollo-Angebot ist noch nicht öffentlich — und das macht ihn zum latenten Entscheidungsträger. Akzeptiert er, ist der Weg frei. Verweigert er die Zustimmung, bleibt der Deal unsicher. Apollo muss bis zum 7. August ein verbindliches Angebot vorlegen oder aus dem Verfahren ausscheiden.

Für bestehende Halter liegt das Bild klar: Der Kurs diskontiert ein reales Scheitern-Risiko. Solange die EU-Eigentumsstruktur ungeklärt bleibt, ist der Abstand zum Angebotspreis kein freies Geld — er ist ein Risikoaufschlag. Die Position wird zur Opportunität, wenn Apollo bis zum 7. August ein verbindliches Angebot mit einer glaubwürdigen EU-Compliance-Struktur vorlegt und Stelios Haji-Ioannou zustimmt. Fehlt eines dieser zwei Elemente, droht der Kursrückgang auf Niveaus vor der Übernahmefantasie.

Die Monitoring-Variable ist deshalb nicht der Angebotspreis — der steht. Sie ist die Eigentumsstruktur, die Apollo bis zum 7. August skizzieren muss, und die Antwort von Stelios Haji-Ioannou. Bestätigt Apollo bis zu diesem Termin eine EU-konforme Holdingstruktur und signalisiert der Gründer keine Ablehnung, schrumpft der 14-Prozent-Gap auf das übliche Abwicklungsrisiko — und der Kurs folgt dem Gebot. Legt Apollo kein verbindliches Angebot vor, fällt das Verfahren auf Castlelake zurück — und die Zerschlagungslogik sitzt wieder am Steuer.

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