Fresenius 55 statt 31 Euro Kursziel|Jefferies bewertet Mutter und Tochter gegensätzlich
Der Rekord-Kurs und der Short-Angriff
Fresenius SE schließt den Xetra-Handel am Montag mit einem Plus von 3,02 Prozent bei 42,99 Euro und landet damit auf Platz drei im DAX, direkt hinter Siemens Energy und RWE. Der Auslöser ist ein klares Kaufvotum der Deutschen Bank mit Kursziel 55 Euro, gestützt auf die Aussicht auf eine bessere Kostenlage bei der Klinik-Tochter Helios.
Am selben Montag stuft dasselbe Analysehaus Jefferies die Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care mit Underperform und einem Kursziel von nur 31 Euro ein, während es die Mutter Fresenius SE zeitgleich mit Buy und 55 Euro führt. Zwei Bewertungen eines Hauses, ein Konzern, zwei entgegengesetzte Signale.
Parallel dazu meldet der Hedgefonds Marshall Wace eine Erhöhung seiner Leerverkaufsposition bei FMC von 0,92 auf 1,02 Prozent des Aktienkapitals, während Kintbury Capital mit 1,03 Prozent ebenfalls gegen die Aktie positioniert bleibt. Zwei institutionelle Adressen wetten auf fallende Kurse, während der Kurs an der Börse gerade steigt.
Zwei Konzernteile, zwei Wahrheiten
Der Widerspruch löst sich auf, sobald man den Konzern in seine Teile zerlegt. Fresenius SE ist heute vor allem eine Wette auf die Klinik-Sparte Helios, die von der Krankenhausreform der Bundesregierung profitiert. Die Dialyse-Tochter FMC dagegen kämpft mit einer ganz anderen Baustelle: steigenden Personalkosten und regulatorischem Gegenwind im globalen Dialysegeschäft, die Jefferies-Analyst James Vane-Tempest in seiner FMC-Studie explizit als Belastung nennt.
Selbst unter den FMC-optimistischeren Häusern bleibt die Zurückhaltung sichtbar: Bernstein Research startet FMC vergangene Woche mit einem fairen Kursziel von 44,65 Euro, stuft die Aktie aber trotz einer laut eigener Studie historisch größten Produkteinführung des Konzerns nur als Market-Perform ein. Kurzfristiger Margendruck überwiegt selbst dort den langfristigen Wachstumsimpuls.
Das Handelsvolumen bei FMC fällt am Montag auf 367.317 gehandelte Aktien, deutlich unter dem Niveau der Vortage. Der Kursanstieg bei der Tochter läuft damit auf schwächerer Beteiligung als der Anstieg bei der Mutter Fresenius SE, wo mit 553.768 Stück fast anderthalbmal so viel umgesetzt wird. Die Rally trägt zwei unterschiedliche Überzeugungsgrade.
Der Termin, der die Wette entscheidet
Die Antwort auf die Frage, welche Seite recht behält, kommt nicht aus einer weiteren Analystenstudie, sondern aus den Zahlen selbst. Am 5. August veröffentlicht Fresenius die Quartalsergebnisse, und genau dort trennt sich, ob die von der Deutschen Bank erwartete Anhebung der Jahresprognose beim bereinigten Ergebnis je Aktie tatsächlich kommt oder ob die von Jefferies bei FMC befürchtete Margenbelastung sichtbar wird.
Bestätigt der Konzern am 5. August die von der Deutschen Bank erwartete Anhebung der EPS-Prognose und hält gleichzeitig die organischen Wachstumsziele, wird aus der aktuellen Rally bei Fresenius SE ein belastbares Einstiegssignal für Halter und Beobachter. Zeigt sich dagegen bei FMC eine spürbare Margenverschlechterung im Dialysegeschäft, wie sie Jefferies mit dem Kursziel von 31 Euro unterstellt, bestätigt sich die wachsende Short-Position von Marshall Wace und Kintbury Capital als berechtigte Wette, nicht als Fehleinschätzung.
Bis zum 5. August bleibt der Kursanstieg selbst kein Beweis für irgendeine der beiden Thesen. Wer die Aktie hält, sollte die konkrete Marge im Dialysegeschäft beobachten, nicht die tägliche DAX-Platzierung. Wer noch abwägt, wartet auf genau diese eine Zahl, bevor er sich zwischen der Konzern-Story der Deutschen Bank und der Tochter-Warnung von Jefferies entscheidet.
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