Healthineers Zollplus|Wachstum oder Einmaleffekt?

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Widersprüchliches Ergebnis

Siemens Healthineers liefert gerade ein Ergebnis, das auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt: Der Gewinn steigt kräftig, während der Umsatzausblick sinkt.

Die Erklärung liegt in der Rückzahlung unrechtmäßig erhobener US-Zölle. Sie verbessert das Ergebnis messbar – aber sie beantwortet nicht die wichtigere Frage, ob das operative Wachstum wieder trägt.

Starker Gewinn, schwacher Umsatz

Im dritten Quartal wuchs der vergleichbare Umsatz nur um 2,8 Prozent auf 5,76 Milliarden Euro.

Die Prognose für das Geschäftsjahr wurde deshalb auf 3,5 bis 4,0 Prozent gesenkt.

Gleichzeitig stieg das bereinigte EBIT um 15,6 Prozent auf 1,10 Milliarden Euro, die Marge von 16,8 auf 19,1 Prozent. Der Gewinn nach Steuern legte um 21,7 Prozent auf 676 Millionen Euro zu.

Der Zoll als Ergebnistreiber

Der entscheidende Treiber war jedoch nicht plötzlich mehr Nachfrage nach Medizintechnik.

Siemens Healthineers hat bereits gut 200 Millionen Euro an US-Zöllen zurückerhalten und will weitere Ansprüche prüfen.

Finanzvorstand Jochen Schmitz erwartet daraus im laufenden vierten Quartal allerdings keinen großen zusätzlichen Effekt. Die Gewinnprognose wurde um 15 Cent je Aktie auf 2,35 bis 2,45 Euro erhöht – laut Unternehmen exakt wegen des Zolleffekts.

Was die Zahlen wirklich zeigen

Für Anleger verändert das die Lesart der Zahlen. Ein höherer Gewinn kann den Eindruck einer operativen Erholung erzeugen.

Die vorliegenden Daten zeigen aber eher eine Verschiebung: Auf der Ergebnisseite hilft ein Sondereffekt, auf der Umsatzseite bleibt die Schwäche sichtbar.

Es gibt in den Berichten keinen Hinweis darauf, dass die Zollrückzahlung neue Aufträge erzeugt oder die Nachfrage in China verbessert.

Diagnostik als Baustelle

Das größte Problem bleibt die Labordiagnostik. Der Umsatz dieser Sparte fiel vergleichbar um 5,5 Prozent.

Das China-Geschäft ist schwierig, ältere Analysesysteme laufen aus, und Siemens Healthineers bereitet die Ausgliederung des Bereichs vor.

Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen; nach einer Entscheidung könnte der Prozess etwa 24 Monate dauern. Für den Konzern ist das deshalb nicht nur eine schwache Produktlinie, sondern eine offene strategische Baustelle.

Argumente gegen den Pessimismus

Es gibt allerdings Gegenargumente zum pessimistischen Bild. Der Auftragseingang war solide: Das Book-to-Bill-Verhältnis lag bei 1,27.

Die Bildgebung wuchs zwar nur um 2,3 Prozent, soll sich im Schlussquartal aber auf ein hohes einstelliges Wachstum beschleunigen. Precision Therapy mit Varian legte bereits um 9,2 Prozent zu.

RBC erwartet ab dem Geschäftsjahr 2027 wieder mittleres bis hohes einstelliges organisches Wachstum und zweistelliges Gewinnwachstum; Berenberg bleibt trotz dieser Perspektive bei „Hold“, weil die Diagnostik ein erheblicher Hemmfaktor bleibt.

Der nächste belastbare Test

Für Halter heißt das: Der Zollbonus kann die Gewinnreihe kurzfristig stabilisieren, aber er nimmt dem Konzernumbau nicht das Risiko.

Für Beobachter ist die entscheidende Kennzahl daher nicht allein das angehobene EPS, sondern ob Bildgebung und Varian die Diagnostik-Lücke tatsächlich schließen.

Der nächste belastbare Test liegt im Schlussquartal: Beschleunigt die Bildgebung wie angekündigt, und wird für die Labordiagnostik eine glaubwürdige Lösung sichtbar?

Zollplus mit Grenzen

Bis dahin bleibt das Zollplus real, aber begrenzt.

Siemens Healthineers ist nicht einfach wieder auf Wachstumskurs; das Unternehmen hat vielmehr einen operativen Rückschlag durch einen einmaligen Ergebnistreiber abgefedert.

Offen bleibt, ob der starke Auftragsbestand später in Umsatz und Margen übersetzt wird – und ob die Ausgliederung der Diagnostik die versprochene Wachstums- und Margenbremse tatsächlich löst.

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