Iran-Krieg treibt Inflation|Fed-Pause unter Druck

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Inflation trifft DAX

Die deutsche Inflationsrate ist im April auf 2,9 Prozent gestiegen — und das ist erst der Anfang. Gleichzeitig hält die US-Notenbank Fed heute Abend ihre Zinssitzung ab, und der Markt rechnet fest mit einer Pause. Zwei Tatsachen, die eigentlich nicht zusammenpassen: Steigende Preise weltweit, aber trotzdem keine Zinsreaktion in Sicht.

Der Mechanismus dahinter ist der Iran-Krieg. Seit dem Ausbruch des Konflikts sind die Energiepreise in ganz Europa sprunghaft angestiegen. Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports fließt, bleibt ein Unsicherheitsfaktor. In Spanien erreichte die Inflationsrate im April bereits 3,5 Prozent — den höchsten Stand seit Juni 2024. Eurostat veröffentlicht die Eurozonen-Zahlen am Donnerstag, einen Tag bevor die EZB über ihre Zinsen entscheidet.

Die EZB steckt dabei in einem klassischen Dilemma. EZB-Präsidentin Christine Lagarde räumte selbst ein: Höhere Energiepreise belasten die Verbraucherstimmung und dämpfen die Nachfrage — was den Inflationsdruck von innen begrenzen könnte. Aber das Erinnerungsvermögen der Haushalte an die Inflationswelle von 2022 ist noch frisch. Wenn Unternehmen jetzt schneller Kosten weitergeben als damals, könnte der Impuls viel stärker werden. Ökonomen warnen: Bei einem anhaltenden Konflikt könnte die Kerninflation in der Eurozone bis 2027 auf fast 5 Prozent steigen — in einem Szenario, das vor wenigen Monaten noch niemand ernst genommen hätte.

Der DAX reagierte auf diese Gemengelage mit Zurückhaltung. Das Leitbarometer fiel unter die 24.000-Punkte-Marke. Deutsche Anleihen stehen unter Druck, weil steigende Inflationserwartungen die Nachfrage nach Staatsanleihen drücken. Die Kernfrage für den heutigen Abend: Signalisiert die Fed eine Bereitschaft zu Zinssenkungen trotz globaler Preisrisiken — oder gibt sie dem Markt einen kalten Schauer?

Rüstung: Kaufchance?

Während der breite Markt zögert, sendet eine andere Ecke des DAX ein konträres Signal. Die Aktien von Rheinmetall, RENK und Hensoldt legten am Mittwoch zu — und das trotz einer Korrektur von über 30 Prozent seit Oktober 2025. JPMorgan-Analyst David Perry veröffentlichte eine Studie mit einem Kursziel von 2.130 Euro für Rheinmetall, was einem Potenzial von rund 58 Prozent entspricht. Aktuelle Notierung: 1.365 Euro.

Der Kausalweg ist klar beschrieben. Perry erwartet für den deutschen Wehretat 2027 eine Steigerung von rund 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr — ein Wert, der den Markt positiv überraschen dürfte. Die Sorgen der Anleger über einen möglichen Ukraine-Waffenstillstand und veränderte Militärdoktrinen durch Drohneneinsätze seien berechtigt, aber überbewertet. Europäische Verteidigungsausgaben steigen unabhängig vom Ukrainekonflikt — der Treiber ist die strukturelle Neubewertung der europäischen Sicherheitsarchitektur.

Die Charttechnik erzählt eine andere Geschichte. Rheinmetall befindet sich seit Februar in einem Abwärtstrend und liegt rund 20 Prozent unterhalb der 200-Tage-Linie. Der Widerstand bei 1.480 Euro müsste nachhaltig überwunden werden, damit von einer echten Trendwende gesprochen werden kann. Für RENK sieht JPMorgan 40 Prozent Aufwärtspotenzial auf ein Kursziel von 75 Euro. Hensoldt bleibt auf Neutral mit einem Ziel von 85 Euro.

Die entscheidende Weichenstellung kommt nicht aus dem Chart, sondern aus dem Kalender. Wenn der Bundestag in den nächsten Wochen tatsächlich einen Wehretat mit deutlicher Steigerung verabschiedet, könnte das die fundamentale Story mit konkreten Zahlen unterfüttern. Bleibt die Haushaltsdebatte dagegen im Unklaren — Stichwort: 196 Milliarden Euro neue Schulden allein 2027, über die Berlin bereits streitet — dann fehlt der Katalysator für eine Neubewertung.

Autokonzerne am Scheideweg

Porsche meldete am Mittwoch einen Gewinnrückgang von fast einem Viertel im ersten Quartal. 391 Millionen Euro Nettogewinn statt 518 Millionen ein Jahr zuvor. Der Umsatz fiel von 8,9 auf 8,4 Milliarden Euro. Die Marge lag bei 7,1 Prozent — minimal über dem Konsens von 6,9 Prozent, aber 1,5 Punkte unter Vorjahr. Den Jahresausblick bestätigte das Management.

Das klingt nach einer Stabilisierung. Aber der Kontext macht die Zahl ernster: Porsche hat seit seinem Hoch 2023 mehr als 63 Prozent an Börsenwert verloren. Die Verkäufe sinken weltweit, besonders in China. Das Auslaufen von Verbrennervarianten der Modelle Cayman und Boxster, kombiniert mit weggefallenen Steuervorteilen für Elektroautos in den USA, kostet Absatzvolumen auf beiden Seiten des Technologiespektrums gleichzeitig.

Mercedes-Benz lieferte ähnliche Signale. Die Quartalszahlen übertrafen die Erwartungen — aber teilweise wegen Rückerstattungen aus US-Importzöllen, kein organisches Wachstum. Goldman Sachs bleibt der optimistischste Analyst mit einem Kursziel von 66 Euro und einer Kaufempfehlung. UBS und RBC halten neutral, beide bei rund 56 bis 57 Euro. Die Aktie notierte zuletzt bei knapp 49 Euro. Den Hoffnungsschimmer lieferte der Verkauf der Leasingtochter Athlon an BNP Paribas — ein Schritt zur Bilanzentlastung, der frisches Kapital freisetzt.

Das Verbindungsglied zwischen Porsche, Mercedes und dem breiteren Markthintergrund ist China. Der Rückgang in China ist keine vorübergehende Delle. Xiaomi greift mit dem SU7 direkt in das Premiumsegment ein, das bisher die deutschen Margen gesichert hat. Wenn der Gegenwind aus China — sinkende Kaufbereitschaft, lokale Konkurrenz, entfallene Subventionen — bis zum Herbst anhält, dürfte auch die bestätigte Jahresprognose von Porsche eng werden. Das Gewicht der Indizien spricht für anhaltenden Druck im zweiten Quartal. Aber wenn chinesische Konjunkturmaßnahmen die Nachfrage im zweiten Halbjahr beleben — ein Szenario, das Peking bisher offen hält — dann könnten die Jahresprognosen sogar übertroffen werden. Die Benchmark: VW legt nächste Woche Quartalszahlen vor. Wenn VW eine stabilere China-Pipeline zeigt als Porsche, würde das den Porsche-Kurs weiter belasten.

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