Iran-Krieg trifft DAX|Konsumklima im freien Fall

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Konsum bricht ein

Die Zapfsäulen waren das erste Warnsignal. Seit Beginn des Iran-Krieges sind die Spritpreise massiv gestiegen — und nun zeigt sich die Konsequenz in den Konsumzahlen. Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen und GfK vermelden: Die Verbraucherlaune ist erneut gefallen. Die Einkommenserwartungen haben den niedrigsten Stand seit Februar 2023 erreicht. Zwei Drittel der Befragten geben an, Angst vor weiteren Preissteigerungen zu haben. 42 Prozent planen, ihre Ausgaben zu reduzieren.

Was hier passiert, ist keine vorübergehende Stimmungsschwankung. Es ist ein struktureller Knick im privaten Konsum — ausgelöst durch einen Energiepreisschock, der über den Tankstellenpreis hinausgeht. Die Konjunkturerwartungen der Verbraucher sind auf ein Niveau gefallen wie vor Beginn des Ukraine-Krieges. Rewe-Chef Lionel Souque sagte es deutlich: Bislang haben die Lebensmittelpreise die geopolitischen Erschütterungen noch kaum gespürt. Das könnte sich ändern, wenn der Konflikt anhält.

Gleichzeitig verdient eine Gruppe rekordmäßig: Sechs große Öl- und Gaskonzerne — darunter Shell, ExxonMobil und TotalEnergies — könnten laut Oxfam im Jahr 2026 zusammen rund 94 Milliarden US-Dollar Gewinn erzielen. Das wäre ein Plus von über 13 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahr. Der Iran-Krieg ist für sie ein Gewinnbeschleuniger. Für die deutschen Verbraucher ist er ein Kaufkraftkiller.

DAX: Gewinner und Verlierer

Die Divergenz, die sich im deutschen Konsumklima zeigt, spiegelt sich auch im DAX — aber in einer überraschenden Form. Während der Leitindex am Montag moderat ins Minus glitt und sich knapp über der Marke von 24.000 Punkten hielt, verliefen die Bewegungen einzelner Werte in entgegengesetzte Richtungen.

Siemens legte über drei Prozent zu. Bernstein Research hob das Kursziel auf 300 Euro an und bestätigte das „Outperform"-Rating. Das Argument: Starke Auftragslage im Digitalgeschäft, KI-getriebene Nachfrage nach Automatisierungslösungen, angehobene Jahresprognose. Siemens profitiert von einer strukturellen Nachfrage, die vom geopolitischen Lärm kaum berührt wird.

Direkt daneben stand Siemens Energy mit einem Minus von über fünf Prozent. Der Konzern hatte zuletzt stark zugelegt — am Montag folgten Gewinnmitnahmen. Beide Werte tragen denselben Namen im Firmenschild, entwickeln sich aber nach völlig unterschiedlichen Logiken. Siemens verkauft Effizienz und Digitalisierung; Siemens Energy hängt an Energiepreisen und politischen Investitionsentscheidungen.

Rheinmetall steht in einer eigenen Kategorie. Die Bundeswehr erteilte dem Düsseldorfer Rüstungskonzern einen Auftrag über 1,04 Milliarden Euro für infanteristische Soldatensysteme — modernste Ausrüstung für den Infanteristen der Zukunft. Gleichzeitig senkte das Analysehaus mwb research das Kursziel auf 1.450 Euro und bestätigte „Halten". Die Begründung ist aufschlussreich: Nicht die Nachfrage schwächelt, sondern die Zusammensetzung der Rüstungsausgaben verschiebt sich. Marschflugkörper und Luftverteidigung gewinnen Budgetanteile — genau die Segmente, in denen Rheinmetall noch aufholen muss. Die Aktie selbst bewegte sich am Montag nach anfänglichen Verlusten wieder nach oben. Deutschland rüstet so stark auf wie seit 1990 nicht — 114 Milliarden Euro aus dem Sonderfonds. Der Boom ist real. Aber nicht jede Aktie profitiert gleich.

EZB und Telekom: Woche der Entscheidungen

Am Donnerstag tagt die Europäische Zentralbank. Alle 25 von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte erwarten: Der Leitzins bleibt bei 2,00 Prozent. EZB-Präsidentin Lagarde hatte in der Vorwoche signalisiert, dass weitere Daten benötigt werden, bevor eine Entscheidung gefällt wird. Doch der Inflationsdruck hat zugenommen — die Preiserwartungen der Unternehmen steigen, und ein Energiepreisschock aus dem Nahen Osten macht Zweitrundeneffekte wahrscheinlicher.

Die Analysten sehen den nächsten Schritt im Juni: Eine Erhöhung um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent, gefolgt von einem weiteren Schritt im September. Das ist der Pfad, den die Märkte einpreisen. Die Frage ist nicht, ob die EZB handelt — sondern ob sie die Kommunikation auf Donnerstag nutzt, um diesen Pfad zu bestätigen oder in Frage zu stellen.

Parallel dazu bewegt die Deutsche Telekom die Gemüter. Bloomberg und Reuters berichten über interne Überlegungen zu einer vollständigen Fusion mit der US-Tochter T-Mobile US. Der kombinierte Konzern hätte einen Börsenwert von rund 320 Milliarden Euro — und wäre damit der wertvollste Telekomkonzern der Welt. Die Reaktion der Anleger war eindeutig: Die Telekom-Aktie fiel am Montag über fünf Prozent. Vier Banken behalten ihre positive Grundeinstufung, aber Barclays ist skeptisch: Konkrete Vorteile seien zum jetzigen Zeitpunkt kaum erkennbar.

Das Gewicht der Evidenz deutet auf anhaltenden Druck hin — insbesondere für konsumnahe Unternehmen, solange der Energiepreisschock anhält. Siemens und RWE zeigen, dass es innerhalb des DAX Werte gibt, die vom Umfeld profitieren oder zumindest immun sind. Die Achillesferse ist der private Konsum: Wenn die Einkommenserwartungen weiter sinken, werden auch die Konsumgüterkonzerne die Wirkung spüren. Der Verifikationspunkt für die Woche: die EZB-Kommunikation am Donnerstag und die Verbraucherpreise für April am selben Tag. Wenn die Inflationszahlen den Erwartungen entsprechen oder darüber liegen, ist der Zinserhöhungspfad für Juni gesetzt. Das würde den Druck auf Anleihen erhöhen und den DAX erneut unter die 24.000er-Marke drücken — es sei denn, die Berichtssaison liefert positive Überraschungen.

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