Kernfusion Biblis|Neubewertung oder Spekulationsblase?

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Fusion am Ex-AKW

Das ehemalige Atomkraftwerk Biblis soll zum Standort eines Laserfusionsreaktors werden – und dieser Wechsel allein bewegt Kapital, noch bevor ein einziger Fusionsimpuls gezündet wurde. Focused Energy hat in einer Serie-A-Runde 240 Millionen US-Dollar eingesammelt, die größte vollständig gesicherte Frühphasenfinanzierung in der globalen Fusionsbranche. Investoren aus Deutschland, Europa, Asien und der Golfregion haben gezeichnet – das Kapital fließt nahezu vollständig nach Biblis, auf das Gelände des ehemaligen RWE-Kernkraftwerks.

RWE ist nicht nur Standortgeber. Der Konzern hat zehn Millionen Euro als strategischen Eigenkapitalpartner investiert und bringt genehmigungsrechtliche Expertise aus dem Rückbau des Kernkraftwerks ein. Was auf den ersten Blick nach einer marginalen Beteiligung aussieht, verändert die Risikorechnung: RWE signalisiert damit, dass der frühere Regulierungsapparat rund um die kerntechnische Infrastruktur für die Laserfusion nutzbar ist – ein zeitlicher und kostenseitiger Vorteil, den kein Greenfield-Standort replizieren kann.

Die unstated premise, auf der diese Bewertung ruht, ist die folgende: Das Laserfusionskonzept von Focused Energy gilt als einziger Ansatz mit wissenschaftlich belegtem Nettoenergiegewinn, weil das National Ignition Facility der USA im Jahr 2022 erstmals Ignition erreichte – mit demselben Laserprinzip. Wer als Investor einen Kaufpreis in dieser Größenordnung bezahlt, setzt voraus, dass dieser Labornachweis in eine kommerzielle Skalierung übersetzbar ist. Ob diese Prämisse hält, ist die eigentliche Frage, die die Runde noch nicht beantwortet.

Institutional buyers – die hier nicht öffentlich identifiziert sind – haben jedenfalls die gesamte Runde gezeichnet, ohne dass Retail-Kapital eingeflossen ist. Das ist kein kleines Signal: Der Positruckdruck kommt nicht aus Sentiment-getriebenen Kaufwellen, sondern aus Direct-Investment-Entscheidungen professioneller Kapitalgeber, die Bauphase bis zum Reaktor finanzieren wollen. Was bleibt unbeantwortet: Ob RWE selbst in der Lage ist, die Neubewertung des Fusionssektors auf die eigene Aktie zu übertragen, solange der operative Beitrag von Biblis zehn Millionen Euro beträgt.

Uber greift nach Delivery Hero

Während institutionelles Kapital in den deutschen Fusionssektor fließt, vollzieht sich am zweiten Pol des MDAX ein Umstrukturierungsprozess anderer Art. Uber hält inzwischen 19,5 Prozent an Delivery Hero und verfügt über Optionen auf weitere 5,6 Prozent – ein Anteil, der laut WpHG-Meldung über die Tochtergesellschaft SMB Holding Corporation aufgebaut wurde, diskret und zügig, mit Unterstützung der US-Investmentbank Morgan Stanley.

Die Aktie legte innerhalb weniger Wochen 40 bis 50 Prozent zu. Dieser Anstieg ist nicht durch operative Quartalszahlen getrieben – die Q1-Zahlen waren solide, aber nicht außergewöhnlich. Er ist durch Positionierungsdruck getrieben: Aktivist Aspex hatte zuvor Anteile von Prosus übernommen und signalisiert, dass ein Managementwechsel an CEO Niklas Östberg angeknüpft ist, sollte der angekündigte Portfolioabbau ausbleiben. Prosus selbst muss seinen Anteil bis August 2026 auf unter zehn Prozent reduzieren – eine EU-Kartellauflage aus der Just-Eat-Takeaway-Übernahme.

Der unstated premise auf der Käuferseite: Uber Eats operiert bereits in 45 Ländern und mehr als 10.000 Städten. Eine Vollübernahme von Delivery Hero würde Märkte wie Korea, MENA und Lateinamerika erschließen, in denen Uber bislang keine eigene Lieferinfrastruktur hat. Das indikative Angebot von 33 Euro pro Aktie – schnell auf 38 Euro erhöht – impliziert eine Bewertung von zehn Milliarden Euro. Die gegenwärtige Shortquote zeigt, dass AHL Partners und WorldQuant ihre Leerverkaufspositionen bereits reduziert haben: Der Positruckdruck auf der Short-Seite dreht sich um.

Die kritische Variable ist nicht der Preis des Angebots, sondern die Kartellhürde. Uber und Delivery Hero überschneiden sich in Chile, Ecuador und Costa Rica. Was die Marktreaktion noch nicht verarbeitet hat: Ein regulatorisch verlangsamter oder blockierter Deal würde den Kurs der Aktie auf das Niveau vor dem Übernahmepoker zurücksetzen – der Iran-Konflikt hat die Aufmerksamkeit vom Kartellrisiko abgelenkt, nicht beseitigt.

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