Mercedes-Benz|Gewinnsprung trotz 93,7%-Pkw-Einbruch

· DAX

Der Rekordgewinn, der keiner ist

Mercedes-Benz meldet für das zweite Quartal 2026 ein operatives Ergebnis von 1,5 Milliarden Euro, ein Plus von 21,5 Prozent, während der Umsatz um 3,3 Prozent auf 32,1 Milliarden Euro zurückging. Auf den ersten Blick sieht das nach einem soliden Quartal für die Aktionäre aus. Doch unter dieser Zahl liegt eine zweite Geschichte, die der Konzern selbst offenlegt.

Im Kerngeschäft Pkw sackte das operative Ergebnis auf nur noch 49 Millionen Euro ab, ein Rückgang von 93,7 Prozent. Verantwortlich dafür ist eine Wertminderung von 704 Millionen Euro auf chinesische Beteiligungen. Rechnet man diesen Sondereffekt heraus, liegt das bereinigte Pkw-EBIT bei 909 Millionen Euro und die bereinigte Umsatzrendite bei vier Prozent, ein deutlich schwächeres, aber realistischeres Bild.

Der Grund für die Abschreibung liegt im chinesischen Markt: Der Pkw-Absatz brach dort um rund 30 Prozent ein, während der Konzern gleichzeitig intensiven Wettbewerb, verhaltene Nachfrage und laufende Modellwechsel als Ursachen nennt. Damit wird klar: Der Konzerngewinn ist nicht gewachsen, weil das Kerngeschäft stärker wurde, sondern weil andere Sparten den China-Einbruch überdeckt haben.

Wer den Gewinn wirklich trägt

Die Sparte Financial Services steuerte ein bereinigtes EBIT von 492 Millionen Euro bei, ein Plus von 70 Prozent, und wurde damit zur eigentlichen Stütze des Konzernergebnisses. Auch die Transporter-Sparte Vans lieferte mit einer bereinigten Umsatzrendite von 10,2 Prozent erneut ein zweistelliges Ergebnis. Das Kerngeschäft mit Pkw, für das Mercedes-Benz eigentlich steht, war also nicht der Treiber dieses Quartals.

Außerhalb Chinas zeigt sich ein anderes Bild: In Europa legte der Absatz um vier Prozent zu, in den USA sogar um zehn Prozent. Rechnet man China heraus, stieg der weltweite Pkw-Absatz um zwei Prozent. Die Schwäche ist damit geografisch konzentriert, nicht global.

Der Konzern senkte dennoch seine Absatz- und Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf leicht unter Vorjahresniveau. Das Management räumt damit selbst ein, dass die China-Schwäche kein einmaliger Ausreißer ist, sondern die Erwartungen für das restliche Jahr belastet. Die Frage verschiebt sich: Kann der Rest des Konzerns die China-Lücke dauerhaft tragen?

Markt bleibt skeptisch trotz der Zahlen

Die Mercedes-Benz-Aktie führt mit 7,5 Prozent die Dividendenrenditen im DAX an, doch das ist zugleich ein Warnsignal. Seit Jahresbeginn hat das Papier knapp 24 Prozent verloren und notiert nahe seinem 52-Wochen-Tief. Eine hohe Rendite entsteht hier auch, weil der Kurs stark gefallen ist, nicht nur weil die Dividende großzügig ist.

Immerhin gibt es einen Lichtblick: Der Absatz batterieelektrischer Pkw stieg um 51 Prozent auf rund 52.900 Einheiten, in Europa legten die Elektroverkäufe sogar um 87 Prozent zu. Konzernchef Ola Källenius spricht von einer beschleunigten Modelloffensive mit über 40 neuen Modellen zwischen 2025 und 2027. Ob dieser Schwung ausreicht, um das China-Loch zu stopfen, bleibt offen.

Solange die operative Marge im zweistelligen Bereich bleibt, gilt die Dividende als gesichert, wie Analysten betonen. Doch die eigentliche Bewährungsprobe steht noch aus: Die vollelektrische C-Klasse, der neue GLC und weitere Modelle sollen in der zweiten Jahreshälfte zeigen, ob Mercedes-Benz sein Kerngeschäft ohne China-Sondereffekte stabilisieren kann. Der Rekordgewinn dieses Quartals ist damit weniger ein Erfolgssignal als ein Blick auf das, was ohne die Sondereffekte noch nicht gelöst ist.

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