SAP Cloud-Backlog 27%|Rally trotz Verkaufen-Rating

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SAP-Rally nach Zahlen — der Widerspruch im Cloud-Backlog

SAP springt am Berichtstag zeitweise um 9,5 Prozent und wird damit zum größten Gewinner im Dax. Der Auslöser sitzt tief im Cloud-Geschäft: Der kurzfristige Cloud-Auftragsbestand wächst um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Genau diese Kennzahl ist es, die Jefferies-Analyst Charles Brennan als Beweis für eine mögliche Erholungsrallye liest.

Doch selbst nach diesem Sprung bleibt die Aktie rund 45 Prozent unter ihrem Allzeithoch von 284 Euro vom Februar 2025. Ein Kurssprung von fast zehn Prozent an einem einzigen Tag klingt nach einer Wende. Die Frage, die sich stellt: Ist das der Beginn einer echten Erholung, oder nur eine technische Gegenbewegung in einem intakten Abwärtstrend?

Die Zahlen selbst sind gemischt. Der Gesamtumsatz steigt um neun Prozent auf 9,88 Milliarden Euro, das Cloud-Geschäft legt um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis von 2,74 Milliarden Euro bleibt dagegen hinter den Erwartungen zurück, weil SAP mehr Geld in KI-Marketing und die Integration der Zukäufe Dremio und Prior Labs steckt.

Der Analystenstreit — Jefferies gegen DZ Bank und das eigene Kursmodell

Für Jefferies-Analyst Charles Brennan widerlegt der starke Cloud-Backlog genau die Zurückhaltung, die Investoren zuletzt gegenüber SAP gezeigt haben. Seine Lesart: Wenn Kunden trotz der Debatte um KI-Agenten weiter langfristige Cloud-Verträge unterschreiben, ist die Sorge vor einer sogenannten SaaS-Apokalypse übertrieben.

Doch genau hier liegt der Kern des Widerspruchs. Die Sorge der Branche war nie, dass SAP heute weniger Verträge verkauft. Die Sorge war, dass KI-Agenten in Zukunft das Pro-Nutzer-Abo-Modell selbst überflüssig machen. Ein wachsender Backlog beweist also nur, dass die Kunden heute noch im alten Modell kaufen, nicht dass das Modell morgen noch trägt.

Entsprechend gespalten reagieren die Analysten. Die DZ Bank stuft SAP trotz der starken Zahlen weiter mit Verkaufen ein. JPMorgan bleibt bei einer neutralen Einschätzung mit Kursziel 175 Euro und verweist auf die Notwendigkeit eines beschleunigten Gewinnwachstums in der zweiten Jahreshälfte. Zwei Banken, dieselben Zahlen, entgegengesetzte Schlüsse.

Bemerkenswert ist, dass sogar ein quantitatives Kursmodell, das die Rally selbst dokumentiert, für die kommenden vier Wochen einen weiteren Rückgang auf einen Korridor zwischen 107 und 146 Euro prognostiziert, mit einer erwarteten Veränderung von minus 7,6 Prozent. Das Momentum bleibt demnach trotz des Kurssprungs negativ, weil der Kurs weiterhin deutlich unter der 200-Tage-Linie bei 176 Euro notiert.

Was den Ausschlag gibt — Marge, Cloud-Backlog und die 200-Tage-Linie

Als Folge der Zukäufe senkt das Management die Prognose für das bereinigte operative Gewinnwachstum 2026 auf 13 bis 17 Prozent, zuvor waren es 14 bis 18 Prozent. Damit bleibt die Marge die entscheidende offene Baustelle, während der Umsatz- und Cashflow-Ausblick unverändert bestätigt wird.

Damit lässt sich die Lage in zwei klare Bedingungen auflösen. Stabilisiert oder verbessert sich die operative Marge im dritten Quartal, während der Cloud-Backlog weiter oberhalb der aktuellen 27 Prozent wächst, bestätigt das die Jefferies-These einer echten Trendwende und macht aus dem heutigen Kurssprung einen Einstiegspunkt. Bricht die Integration von Dremio und Prior Labs die Marge dagegen weiter ein, bestätigt das die Skepsis der DZ Bank.

Der nächste unmittelbare Test ist technischer Natur: Solange der Kurs unter der 200-Tage-Linie bei 176 Euro verharrt, gilt der langfristige Abwärtstrend charttechnisch als intakt, unabhängig vom Tagesgewinn. Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Marke wäre das erste technische Signal, das die fundamentale Jefferies-These stützen würde.

Für Halter und Beobachter läuft die Entscheidung damit auf denselben Punkt zu: den nächsten Quartalsbericht und die Frage, ob sich die operative Marge dort erholt. Bestätigt sich eine Margenverbesserung parallel zu einem weiter wachsenden Cloud-Backlog, wird aus dem heutigen Kurssprung eine Einstiegschance. Bleibt die Marge unter Druck und der Kurs unter der 200-Tage-Linie, bleibt die Rally eine Falle in einem intakten Abwärtstrend.

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