Siemens Energy Gamesa im Plus|Robuster Aufschwung?
Gamesa zurück in der Gewinnzone
Siemens Energy hat im dritten Geschäftsquartal ein Signal geliefert, auf das Anleger jahrelang gewartet haben: Siemens Gamesa ist wieder profitabel. Gleichzeitig stieg der Umsatz um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro, der Auftragseingang erreichte 17,9 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Sondereffekten vervielfachte sich auf 1,6 Milliarden Euro. Die Aktie drehte nach dem ersten Kurssprung dennoch zeitweise ins Minus. Genau darin liegt die eigentliche Geschichte: Die Zahlen sind stark – aber der Markt prüft inzwischen, wie belastbar dieses Wachstum wirklich ist.
Der KI-getriebene Strombedarf
Der direkte Treiber ist der weltweit steigende Strombedarf. Rechenzentren für künstliche Intelligenz, neue Fabriken und die allgemeine Elektrifizierung benötigen zusätzliche Erzeugungs- und Netzinfrastruktur. Siemens Energy verkauft dafür vor allem Gasturbinen, Wartungsleistungen und Netztechnik. Konzernchef Christian Bruch bezifferte den Anteil des Neugeschäfts im Zusammenhang mit KI-Rechenzentren auf rund 20 Prozent. Der Auftragseingang der Gassparte erreichte einen Rekordwert, auch das Netzgeschäft entwickelte sich deutlich besser.
Mehr als nur KI-Euphorie
Das verändert die bisherige Lesart der Aktie. In den Wochen vor den Zahlen standen Sorgen über die Nachhaltigkeit der KI-Investitionen und negative Signale des US-Konkurrenten GE Vernova im Vordergrund. Zugleich verwies der Markt auf einen Auftragsbestand von 154 Milliarden Euro, fragte aber, wie schnell daraus Umsatz und Gewinn werden. Die neuen Zahlen zeigen nun, dass Siemens Energy nicht nur von einer abstrakten KI-Erwartung lebt: Mehrere Geschäftsbereiche verbesserten ihre Ergebnisse, besonders Gas und Netztechnik. Das ist eine breitere operative Basis, als ein reiner KI-Boom vermuten lässt.
Gamesa hilft wieder – vorerst
Auch Gamesa hat den Konzern diesmal nicht belastet, sondern erstmals seit 2022 wieder einen operativen Gewinn beigesteuert. Das ist ein wichtiger Bruch mit der Vergangenheit, in der die Windkrafttochter die Erträge der übrigen Sparten immer wieder aufgezehrt hatte. Aber ein Quartal ist noch keine Sanierung. Der Auftragseingang bei Gamesa fiel auf rund 1,1 Milliarden Euro, verglichen mit 4,9 Milliarden im Vorjahresquartal. Ein Teil des Rückgangs erklärt sich durch einen außergewöhnlich großen Vorjahresauftrag. Zusätzlich verschieben Kunden Investitionen in Offshore-Windprojekte wegen hoher Kosten und eines schwierigeren politischen Umfelds.
Ziele stehen unter Beweis
Auch bei Gas ist der Weg nicht gleichmäßig. Das Management rechnet für das vierte Quartal mit einer vorübergehend schwächeren Entwicklung, bevor das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2026/27 wieder stärker ausfallen soll. Siemens Energy hält dennoch an seinen Jahreszielen fest: 14 bis 16 Prozent vergleichbares Umsatzwachstum, eine Marge vor Sondereffekten von 10 bis 12 Prozent und rund vier Milliarden Euro Gewinn nach Steuern. Die Tendenz liege beim oberen Ende der Margenspanne. Für Anleger ist deshalb nicht nur entscheidend, ob die Ziele erreicht werden, sondern wodurch: durch dauerhaft höhere Margen oder durch einzelne Großaufträge und Vorauszahlungen.
Cashflow zeigt Nachfrage, nicht alles
Der starke Mittelzufluss von 2,3 Milliarden Euro gegenüber 419 Millionen im Vorjahr ist erfreulich. Er wurde allerdings auch durch Kundenanzahlungen und Reservierungsgebühren im Zusammenhang mit dem hohen Auftragseingang unterstützt. Das ist meine Einordnung aus den vorliegenden Angaben: Der Cashflow beweist die Nachfrage, aber noch nicht vollständig die normalisierte Ertragskraft dieser Aufträge.
Was Anleger jetzt beobachten
Für einen Halter bedeutet das: Die Gamesa-Wende sollte als Fortschritt, nicht als erledigtes Problem behandelt werden. Für einen Beobachter ist Siemens Energy interessanter geworden, aber auch anspruchsvoller zu beurteilen. Zu beobachten sind der Auftragseingang und die Margen in Gas und Netztechnik, die Rückkehr von Gamesa zur Gewinnschwelle und die Entwicklung des Offshore-Geschäfts. Hinzu kommt die mögliche Abspaltung von „Transformation of Industry“. Der Vorstand hat sie als Option bestätigt, eine Entscheidung oder einen Zeitplan gibt es aber noch nicht. Erst dann wird klarer, ob Siemens Energy dauerhaft ein fokussierter Energietechnikkonzern wird oder weiterhin sehr unterschiedliche Geschäfte um Kapital und Aufmerksamkeit konkurrieren lässt.
Glaubwürdiger, aber nicht bewiesen
Das aktuelle Urteil lautet deshalb: Der Aufschwung ist operativ glaubwürdiger geworden, weil er mehrere Säulen hat und Gamesa erstmals wieder hilft. Seine Dauer ist aber noch nicht bewiesen. Offen bleiben die Nachhaltigkeit der KI-bedingten Investitionen, die Qualität der kommenden Cashflows und die Frage, ob Gamesa auch bei schwächerem Auftragseingang profitabel bleiben kann.
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