Siemens Energy Rekordhoch|KI als heimlicher Treiber

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Energie im KI-Sog

Siemens Energy stieg am Mittwoch um 7,4 Prozent auf ein neues Allzeithoch — und das ausgerechnet an einem Tag, an dem der DAX ins Minus rutschte. Die Erklärung liegt nicht in Frankfurt, sondern in Boston und Zürich. GE Vernova, der US-Energietechnikkonzern, meldete einen Quartalsumsatz von 9,34 Milliarden Dollar — ein Plus von 16 Prozent. Der Gewinn sprengte die Erwartungen. Kurz darauf bestätigte ABB aus der Schweiz einen überraschend hohen Auftragseingang im ersten Quartal.

Der gemeinsame Nenner: Datenzentren für Künstliche Intelligenz brauchen Strom — enorme Mengen davon. Wer die Infrastruktur für Stromerzeugung und -übertragung baut, profitiert direkt. GE Vernova, ABB und Siemens Energy sitzen genau an diesem Engpass. Der Markt zieht daraus eine einfache Schlussfolgerung: Was GE Vernova meldet, gilt auch für die anderen. Deshalb stiegen alle drei gleichzeitig.

Siemens Energy hat in den vergangenen zwölf Monaten bereits mehr als 200 Prozent zugelegt. Das aktuelle Allzeithoch folgt auf ein bereits extremes Bewertungsniveau. Analysten verweisen auf die strukturelle Nachfrage: Der Bau von KI-Datenzentren verdoppelt sich alle zwei bis drei Jahre, und Stromnetze müssen mitwachsen. Siemens Energy hält dabei Positionen in Transformatoren, Hochspannungsleitungen und Netzsteuerung — alles Segmente mit langen Lieferzeiten und hoher Preissetzungsmacht.

Die entscheidende Frage lautet, ob dieser Rückenwind anhält. Solange Unternehmen wie Microsoft, Google und Amazon ihre Kapitalausgaben für KI-Infrastruktur nicht kürzen, bleibt der Auftragsstrom intakt. RWE gewann in dieser Woche zusätzlich eine britische Offshore-Windausschreibung, was das Gesamtbild für europäische Energietitel weiter stützt.

Telekom-Fusion: Rekord oder Risiko

Dieselbe Nachrichtenlage, die Siemens Energy nach oben trieb, drückte die Deutsche Telekom um fast fünf Prozent nach unten. Bloomberg berichtete in der Nacht zum Mittwoch, die Telekom erwäge eine vollständige Fusion mit ihrer US-Tochter T-Mobile US. Der mögliche Börsenwert: 320 Milliarden Euro. Der mögliche Titel: größte Fusion der Wirtschaftsgeschichte.

Die Reaktion der Anleger war eindeutig — und aufschlussreich. Fusionsspekulationen treiben Aktien normalerweise nach oben. Hier geschah das Gegenteil. Der Grund liegt in der Struktur des geplanten Deals. Laut Insidern soll kein Geld fließen. Stattdessen würde eine neue Holding in einem EU-Staat gegründet, in die beide Unternehmen eingebracht werden. Die Aktionäre erhielten Holding-Anteile statt Bargeld.

Das Problem beginnt bei der Politik. Die Bundesregierung hält 28 Prozent der Telekom-Aktien. Sie hat ein strategisches Interesse daran, das Unternehmen als kritische Infrastruktur in Deutschland zu verankern. Telekom betreibt Teile des deutschen Luftabwehrsystems, hat eine eigene Verteidigungsabteilung gegründet und holte die erste KI-Fabrik des Landes nach Deutschland. Diesen Konzern in eine ausländische Holding zu überführen, wäre politisch schwer durchsetzbar.

Auf US-Seite ist T-Mobile das leistungsstärkste 5G-Netz des Landes. Auch Washington hat kein Interesse daran, diesen Netzwerkchampion ins Ausland zu verlagern. Analysten von Barclays bezeichneten die konkreten Vorteile als zum jetzigen Zeitpunkt kaum erkennbar. JPMorgan sieht zunächst mehr Unsicherheit als Klarheit.

Vier Analysehäuser — Deutsche Bank, Bernstein, JPMorgan, Barclays — behalten zwar positive Grundeinstufungen. Aber alle vier betonen die regulatorischen Hürden. Ein Zusammenschluss bleibt nach aktuellem Stand sehr wahrscheinlich eine strategische Gedankenübung, keine konkrete Verhandlung.

DAX unter Druck

Der DAX schloss zum dritten Mal in Folge im Minus — bei 24.195 Punkten, ein Rückgang von 0,3 Prozent. Die Verlängerung der Waffenruhe mit dem Iran hat den Index nicht befreit. Trump verlängerte den Waffenstillstand einseitig, ohne greifbaren Fortschritt in den Verhandlungen. Die US-Seeblockade iranischer Häfen bleibt in Kraft. Brent-Rohöl notiert weiterhin über 98 Dollar pro Barrel.

Solange die Straße von Hormus unter Druck steht, leiden exportabhängige Sektoren — Automobil, Chemie, Luftfahrt. MTU Aero Engines verlor 3,8 Prozent. Die Branche kalkuliert steigende Kerosinkosten ein, die kaum vollständig an Passagiere weitergegeben werden können. Rheinmetall erhielt zwar einen milliardenschweren Rahmenvertrag für Kamikaze-Drohnen vom Typ FV-014 — die Erstbestellung umfasst rund 300 Millionen Euro — aber die unmittelbare Kurswirkung blieb begrenzt, da der Auftrag nach der Bundestagsgenehmigung bereits eingepreist war.

Das Allzeithoch des DAX bei 25.507 Punkten liegt noch rund 1.300 Punkte entfernt. Der VDAX-New, das Volatilitätsbarometer des deutschen Marktes, notiert bei 22 Prozent — ein Niveau, das erhöhte Nervosität signalisiert. Portfoliomanager Thomas Altmann fasst es präzise zusammen: Die USA und der Iran sind einer Einigung keinen Schritt nähergekommen.

Das Gewicht der Indizien deutet auf anhaltenden Seitwärtsdruck beim DAX hin — so lange, bis entweder eine substanzielle Fortschritt in den Nahost-Verhandlungen sichtbar wird oder der Ölpreis nachgibt. Sollte Brent unter 90 Dollar fallen, würde das eine spürbare Entlastung für Industrie und Luftfahrt bedeuten, und der DAX hätte den Spielraum für eine Erholung in Richtung 25.000 Punkte. Sollte die Waffenruhe hingegen erneut scheitern oder die Blockade eskalieren, droht ein Test der 200-Tage-Linie bei rund 23.800 Punkten. Die Verifikation liegt in zwei Benchmarks: dem Verlauf der Iran-USA-Gespräche bis Ende dieser Woche und dem Brent-Kurs am Freitagabend. Bleibt Öl über 98 Dollar, hält der Gegenwind an.

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