SoftBank 20% an einem roten Tag|Wer verdient wirklich am OpenAI-Börsengang?
Der schwache Markt und der eine Ausreißer
Die Leitindizes an der Wall Street geben am Donnerstag zum Handelsauftakt rund ein halbes Prozent nach. Der Dow Jones, der S&P 500 und der Nasdaq stehen allesamt im Minus — ein Mix aus robusten US-Wirtschaftsdaten, die weiteren Zinssenkungen der Federal Reserve entgegenstehen, und geopolitischen Unsicherheiten belastet die Stimmung. Nvidia liefert Rekordquartalszahlen und verliert trotzdem rund zwei Prozent. Der Dax gibt ebenfalls nach, Infineon bildet die Ausnahme und steigt moderat. In diesem Umfeld der breiten Schwäche hebt eine einzige Aktie regelrecht ab: Die SoftBank Group verzeichnet in Tokio einen Kursanstieg von fast zwanzig Prozent — der größte Tagessprung des japanischen Technologieinvestors seit März 2020. Der Auslöser liegt nicht im operativen Geschäft von SoftBank selbst, sondern in den Börsenplänen zweier seiner bedeutendsten Beteiligungen. Sowohl OpenAI als auch SpaceX bereiten nach übereinstimmenden Berichten ihren Gang an die US-amerikanischen Kapitalmärkte vor. Für SoftBank bedeutet das: Was bislang als illiquides Portfoliorisiko in der Bilanz stand, bekommt plötzlich einen öffentlich verhandelbaren Preis. Doch der Sprung von zwanzig Prozent an einem Tag, an dem selbst Nvidia-Rekordergebnisse verpuffen, wirft eine Frage auf, die der Markt noch nicht beantwortet hat.
Was der SpaceX-Prospekt über das IPO-Fieber verrät
Am Mittwochabend hat SpaceX den Börsenprospekt nach US-amerikanischem Format veröffentlicht. Das S-1-Filing zeigt eine Zahl, die im ersten Moment überrascht: Elon Musks Raumfahrtunternehmen schreibt aktuell milliardenschwere Verluste. Dennoch wird das Unternehmen am Markt auf eine Bewertung taxiert, die weit jenseits der meisten börsennotierten Technologiekonzerne liegt. Das ist nicht irrational, sondern die Logik des Wachstumskapitals: Anleger kaufen nicht den heutigen Gewinn, sondern die künftige Marktdominanz in der kommerziellen Raumfahrt und im Satellitennetz Starlink. Was das für OpenAI bedeutet, ist strukturell ähnlich gelagert. Auch dort sind profitables Wirtschaften und astronomische Bewertungen bislang weit voneinander entfernt. Für SoftBank, das über seinen Vision Fund erhebliche Anteile an beiden Unternehmen hält, entsteht durch die IPO-Perspektive ein unmittelbarer Neubewertungseffekt im Portfolio — und genau den hat der Markt am Donnerstag eingepreist. Anleger, die SoftBank als indirektes Vehikel für nicht börsennotierte KI- und Raumfahrtunternehmen nutzen, sehen ihre Wette plötzlich mit einem konkreten Datum versehen. Wer sich an 2019 erinnert, kennt das Muster: Damals trieb die WeWork-Fantasie den Vision Fund auf Spitzenbewertungen — bis der IPO-Prospekt die Illusion beendete. Das entscheidende Fragezeichen bleibt deshalb nicht, ob SoftBank von den Börsengängen profitiert, sondern zu welchem Preis diese stattfinden werden.
Die europäische Gegenfolie: Telekom und SAP sichern sich den Bundesauftrag
Während die Märkte auf den IPO-Kalender aus den USA starren, fällt in Berlin eine Entscheidung mit langfristiger Tragweite für den deutschen Technologiesektor. Ein Konsortium unter Führung der Deutschen Telekom und SAP hat sich den Bundesauftrag für den Aufbau einer KI-Infrastruktur der deutschen Bundesregierung gesichert. Google hatte sich im Vorfeld aus dem Bieterverfahren zurückgezogen — ein Rückzug, der selbst erklärungsbedürftig bleibt. Telekom-Chef Tim Höttges wertet den Auftrag ausdrücklich als Chance für Europa, sich in der digitalen Infrastruktur unabhängiger von amerikanischen Hyperscalern zu positionieren. Für SAP, das in den vergangenen Wochen unter erheblichem Kursdruck stand, ist das ein staatlich abgesichertes Referenzprojekt im KI-Bereich — ein Signal, das der Markt bislang kaum eingepreist hat. Der heutige Tag zeigt damit eine Zweiteilung: Auf der einen Seite ein Markt, der auf die IPO-Fantasie amerikanischer Technologieriesen mit selektiven Kurssprüngen von zwanzig Prozent reagiert. Auf der anderen Seite ein europäisches Konsortium, das ohne großes Aufsehen einen strategisch bedeutsamen Staatsauftrag gewinnt. Ob das Telekom-SAP-Konsortium auf diesem Fundament ein Gegengewicht zu amerikanischen Hyperscalern aufbauen kann, entscheidet sich nicht heute — es entscheidet sich dann, wenn OpenAI und SpaceX ihre IPO-Preise nennen und der Markt prüft, ob die Fantasie der Realität standhält. Läuft das Szenario so, kauft das Kapital den europäischen Infrastrukturwert als Absicherung. Hält die IPO-Euphorie an, bleibt der Bundesauftrag eine Randnotiz — bis der nächste SpaceX-Prospekt eine unbequeme Zahl zeigt.
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