Software verliert 11%|KIInfrastruktur gewinnt

· DAX

Die Verlierer des Tages

Zscaler fiel am Donnerstag um 11,46 Prozent. ServiceNow verlor 7,86 Prozent. Beide Titel brachen an einem Tag ein, an dem der S&P 500 um 0,62 Prozent stieg und der Nasdaq um 0,83 Prozent zulegte. Wer nur auf die Indizes schaut, sieht einen weiteren ruhigen Aufwärtstag. Wer auf Software-Aktien schaut, sieht etwas anderes.

Die Begründung klang zunächst vertraut. Laut Berichten vom Motley Fool und Barchart fürchten Investoren, dass KI-Anwendungen wie Anthropic Claude Cowork bestehende Software-Abonnements überflüssig machen könnten. Das Narrativ ist nicht neu. Aber die Geschwindigkeit, mit der Kapital abgezogen wurde, war ungewöhnlich.

ServiceNow und Zscaler stehen stellvertretend für eine ganze Kategorie: wiederkehrende Lizenzmodelle mit hohen Margen. Diese Geschäftsmodelle wurden jahrelang als defensiv eingestuft. Jetzt gelten sie als exponiert. Der Markt bewertet nicht das, was diese Unternehmen heute verdienen. Er bewertet, was sie in zwei Jahren noch verdienen könnten.

Wer wirklich profitiert

Während Software-Titel fielen, stieg CoreWeave um 3,49 Prozent. Das Unternehmen hatte gerade einen 21-Milliarden-Dollar-Vertrag mit Meta Platforms abgeschlossen, für KI-Cloud-Kapazitäten auf mehrere Jahre. Nvidia legte 0,99 Prozent zu. Amazon gewann 5,43 Prozent, nachdem CEO Andy Jassy im Aktionärsbrief konkret erläutert hatte, wie der eigene Chip-Bereich und AWS von KI-Ausgaben profitieren werden.

Das Muster ist klarer, als es auf den ersten Blick erscheint. Kapital floss nicht aus dem Technologiesektor heraus. Es floss innerhalb des Sektors um. Von Software-Lizenzen zu Infrastruktur. Von der Anwendungsschicht zur Rechenleistung.

Der Grund liegt in der Kostenstruktur der KI-Ära. Jedes neue Modell, das Anthropic oder OpenAI trainiert, braucht Datacenter, GPUs und Glasfaserkapazität. Es braucht keine zusätzlichen Sitze in einem ServiceNow-Abonnement. Die Ausgaben verschieben sich nach unten in den Stack, zu den Anbietern physischer Infrastruktur. Marvell Technology stieg an diesem Tag um 4,79 Prozent, nach positiven Analystenkommentaren zu seinen Custom-Chip-Designs. Intel gewann 4,70 Prozent dank einer erweiterten Partnerschaft mit Google Cloud für KI-Rechenzentren.

Die Rotation ist nicht nur eine Tagesschwankung. Die 500 reichsten Menschen der Welt verdienten am Mittwoch 265 Milliarden Dollar, gemäß Bloomberg Billionaires Index. Mark Zuckerberg allein gewann 12,8 Milliarden. Meta-Aktien stiegen 6,5 Prozent. Das Kapital konzentriert sich dort, wo KI-Modelle tatsächlich gebaut und betrieben werden.

Wie lange hält diese Verschiebung an

Die entscheidende Frage ist nicht, ob Software-Titel unter Druck stehen. Die Frage ist, ob der Druck strukturell ist oder vorübergehend.

JPMorgan-Analysten prognostizierten in dieser Woche, dass Tech-Aktien von einem April-Rebound profitieren könnten, sobald Hedge-Fonds ihre Aktienbestände wieder aufstocken. Das spricht für eine taktische Erholung bei Software. Dagegen steht die Geschwindigkeit, mit der Anthropic und andere Anbieter direkt in Unternehmensworkflows vordringen, ohne klassische Lizenzmodelle zu benötigen.

Das Szenario, das für Infrastruktur spricht: Die KI-Ausgaben der großen Hyperscaler bleiben hoch. Amazon hat angekündigt, massiv in eigene Chips und AWS-Kapazitäten zu investieren. Meta hat gerade Muse Spark veröffentlicht, sein erstes großes KI-Modell aus dem hauseigenen Meta Superintelligence Lab. Jedes dieser Modelle benötigt mehr Rechenleistung, nicht weniger.

Das Gegenargument: Software-Unternehmen wie ServiceNow haben begonnen, KI-Funktionen in ihre eigenen Plattformen zu integrieren. Wenn diese Integration gelingt, könnte das Abonnementmodell stabiler sein als der Markt heute annimmt. Historisch haben Software-Titel in Abverkaufsphasen often schneller erholt als die Infrastruktur-Seite.

Die Abwägung neigt sich derzeit zur Infrastruktur. Aber das gilt nur, solange die Hyperscaler ihre KI-Investitionspläne nicht kürzen. Der Prüfstein dafür sind die Quartalszahlen von Amazon Web Services und Microsoft Azure in den nächsten vier Wochen. Sinken dort die Capex-Prognosen, kippt das Bild. Steigen sie, dürfte die Rotation von Software zu Infrastruktur weiter anhalten. Was den Gegenfall beweisen würde: ein überraschend starkes Quartal von ServiceNow mit stabilen Net Retention Rates über 120 Prozent.

Link copied