SpaceX 161 Schlusskurs|Lockup-Risiko für 555 Mio. Aktien

· DAX

Der enttäuschende erste Handelstag — was 150$ Eröffnung wirklich bedeutet

SpaceX schloss am 12. Juni bei 161 US-Dollar. Das klingt nach einem Erfolg — 19 Prozent über dem Ausgabepreis von 135 Dollar. Doch der Handelstag selbst erzählt eine andere Geschichte.

Die ersten Indikationen lagen bei 174 bis 175 Dollar. Innerhalb weniger Stunden fiel die Erwartung auf 150 Dollar zur Eröffnung. Das ist kein marginaler Unterschied — es sind 15 Prozent weniger als Markt-Konsens.

Zum Vergleich: Der durchschnittliche Ersttagesgewinn von IPOs liegt seit 1980 bei 19 Prozent. SpaceX lieferte exakt diesen Durchschnitt — aber für das angeblich größte Unternehmen der Zukunft. Wer 175 Dollar als Einstiegspreis einkalkuliert hatte, liegt schon im Verlust.

Was erklärt den Rückgang von 175 auf 150 Dollar in der Eröffnungsphase? Erstens: Die Iran-Friedenshoffnung ließ Kapital aus Risiko-Assets abfließen. Zweitens: Anleger, die Aktien gezeichnet hatten, fanden sie nicht sofort im Depot.

Europäische Privatanleger erhalten ihre SpaceX-Aktien erst ab dem 15. Juni. Das heißt: Wer am ersten Handelstag verkaufen wollte, konnte es nicht. Dieses strukturelle Detail erklärt, warum der Handelsdruck am ersten Tag unvollständig war.

Der Schlusskurs von 161 Dollar kam durch eine Erholung von 150 auf 176 Dollar — und dann Rückgang. Das Muster ist klassisch für hochgezogene IPOs mit begrenztem Streubesitz. SpaceX hat nur fünf Prozent seiner Aktien an die Börse gebracht.

Bei fünf Prozent Streubesitz reichen wenige Kaufaufträge, um den Kurs zu bewegen. Das ist kein Marktpreis — es ist ein Preis bei künstlicher Knappheit. Die eigentliche Bewertungsfrage stellt sich erst, wenn mehr Aktien handelbar werden.

Die Bewertungsarchitektur: 94 mal Jahresumsatz für ein Verlustunternehmen

SpaceX kommt auf eine Bewertung von 2,1 Billionen Dollar nach dem ersten Handelstag. Das Unternehmen machte im vergangenen Jahr bei 18,7 Milliarden Dollar Umsatz einen Verlust von 4,9 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2026 lagen die Verluste bei 4,3 Milliarden Dollar bei 4,7 Milliarden Dollar Umsatz.

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei etwa 94. Amazon kam bei seinem Börsengang auf einen Faktor von drei zum Umsatz. Selbst die Investmentbanken, die den Börsengang begleiten, rechnen noch bis 2029 mit Verlusten.

Goldman Sachs nennt für 2030 einen Umsatz von 474 Milliarden Dollar. Das entspräche einem Wachstum um den Faktor 25 bis 30 gegenüber heute. Kein Unternehmen in der Geschichte der modernen Wirtschaft hat das in fünf Jahren erreicht.

Hier liegt die versteckte Annahme: Goldman Sachs begründet zwei Drittel der erwarteten Umsätze mit KI. Das setzt voraus, dass SpaceX im KI-Bereich mit Alphabet, Meta und Microsoft konkurriert. Doch Musk hinkt mit xAI bereits erheblich hinterher — und die anderen sind viel besser mit Kapital ausgestattet.

Morningstar sieht den fairen Wert von SpaceX bei etwa der Hälfte des Ausgabepreises — also rund 67 Dollar. Das ist kein marginales Abweichen vom Konsens — das ist eine fundamentale Neubewertung. Zwischen 67 Dollar Morningstar-Schätzung und 2,1 Billionen Dollar Marktbewertung liegen drei Jahrzehnte Wachstumshoffnung.

Was bleibt, wenn man die KI-Fantasie herausnimmt? Starlink liefert echte, wiederkehrende Umsätze und hohe Margen. Aber dieses profitable Geschäft wird überlagert von den verlustbringenden KI-Investitionen.

Die entscheidende Frage für neue Aktionäre ist nicht: Glauben Sie an SpaceX? Die Frage ist: Zu welchem Preis haben die Altaktionäre bereits an Sie verkauft? Ron Baron investierte 2017 bei 22 Milliarden Dollar Bewertung — und hat heute 12 Milliarden Dollar Gewinn realisiert.

Lockup-Frist und Lieferverzögerung — das Risiko, das kaum jemand benennt

SpaceX hat beim Börsengang nur fünf Prozent seiner Aktien ausgegeben. 555,6 Millionen Aktien — das klingt nach viel, aber es sind nur fünf Prozent des Gesamtunternehmens. Die restlichen 95 Prozent sind Aktien von Altaktionären, Gründern und frühen Investoren.

Diese Aktien unterliegen Lockup-Fristen. Normalerweise sind das 180 Tage nach Börsengang — in diesem Fall also bis Dezember 2026. Das Besondere bei SpaceX: Der Börsenprospekt lässt explizit zu, dass in den kommenden Monaten weit mehr Aktien verkauft werden können als bei üblichen Börsengängen.

Das bedeutet: Der Preis von heute ist ein Preis ohne das eigentliche Angebot. Wenn die Lockup-Fristen auslaufen, können Altaktionäre ihre Positionen liquidieren. Das Gesamtvolumen dieser potenziellen Verkäufe übersteigt den heutigen Streubesitz um ein Vielfaches.

Für Privatanleger, die jetzt kaufen oder die gezeichneten Aktien halten, gibt es ein zweites Risiko. Europäische Zeichner erhalten ihre Aktien erst ab dem 15. Juni — mindestens. Am ersten Handelstag konnten sie nicht verkaufen, auch wenn der Kurs 176 Dollar erreichte.

Dieses Asymmetrie-Problem ist strukturell: Altinvestoren wie Cathie Wood und Ron Baron hatten jahrelang Zeit, ihren Einstiegspreis zu optimieren. Privatanleger kaufen heute zum Marktpreis — bei vollem Lockup-Risiko. Der FAZ-Chefkommentator fasst es so zusammen: Die gesamte Finanzbranche hat an einem Strang gezogen — das Risiko trägt der Privatanleger.

Was wäre der Monitoring-Checkpoint? Erstens: Das Datum des Lockup-Ablaufs für die größten Altaktionäre — Musk selbst, frühe Fonds, Mitarbeiter. Wenn Altaktionäre nach Ablauf der Frist nicht verkaufen, wäre das ein starkes Halte-Signal. Wenn sie verkaufen, trifft das Angebot auf einen Markt, der bei einer Bewertung von 2,1 Billionen Dollar sitzt — bei einem Unternehmen, das noch Verlust macht.

Der zweite Checkpoint: die ersten Quartalszahlen nach dem Börsengang. Starlink-Abonnentenwachstum, Fortschritt beim Starship, und ob die KI-Umsätze skalieren. Bis dahin handelt die Aktie überwiegend die Hoffnung — nicht die Fundamentaldaten.

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