Volkswagen Everllence 7,4 Mrd.|Bain zahlt doppelten Buchwert Aktionäre zweifeln

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Bain Capital und das doppelte Tafelsilber

Volkswagen hat am 25. Juni die Mehrheit seiner Schiffsmotorensparte Everllence an Bain Capital verkauft — zu einem Preis, der die eigene Buchführung widerlegt. Der Konzern beziffert den Gesamterlös auf 7,4 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Ende Mai stand Everllence mit rund 3,4 Milliarden Euro in den VW-Büchern. Bain hat damit mehr als das Doppelte des Buchwertes bezahlt. Das ist der Kern des Widerspruchs, der die VW-Aktie jetzt in Bewegung bringt — aber nicht nach oben. Die Sparte, früher MAN Diesel & Turbo, ist Weltmarktführer in Schiffsmotoren. Mit 16.200 Beschäftigten erzielte sie zuletzt 4,9 Milliarden Euro Umsatz. Kenner schätzen das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen auf 700 bis 800 Millionen Euro. Das wäre ein Bewertungsmultiplikator, der für Maschinenbaukonzerne nicht ungewöhnlich ist — aber in VWs Bilanz nie eingepreist war. Bain setzte sich gegen CVC und ein ungewöhnliches Konsortium aus EQT, Porsche SE und dem Qatar-Staatsfonds durch. VW behält 49 Prozent und will "mittelfristig" wichtiger Anteilseigner bleiben. Für Käufer und Konzern liegt der Logik zugrunde, dass Everllence als unabhängige Gesellschaft mehr Wert schaffen kann als eingebettet in einen Automobilkonzern. Das trifft einen wunden Punkt: Nicht Everllence war das Problem, sondern VW selbst war für Everllence zu eng. Der Erlös ist willkommen — VW leidet unter der Schwäche des chinesischen Automarkts, US-Zöllen und dem Wettbewerbsdruck chinesischer Hersteller in Europa. Aber der 7,4-Milliarden-Erlös löst das eigentliche Preisproblem der VW-Aktie nicht. Er beweist nur, dass Wert vorhanden ist — die Frage ist, wer ihn kontrolliert.

Hauptversammlung: Dieselben Zahlen, entgegengesetztes Urteil

Einen Tag vor der Everllence-Entscheidung traf sich VW zur virtuellen Hauptversammlung — und dort entblößte sich der tiefere Konflikt. CEO Oliver Blume erklärte, alle zentralen strategischen Ziele seien erreicht. Mehr als 28.000 freiwillige Stellenaustritte seien bereits verbindlich festgelegt. Die Fabrikkosten an deutschen VW-Standorten seien 2025 um über 20 Prozent gesunken. Gleichzeitig: Elektroauslieferungen plus 32 Prozent weltweit, neue Modelle für China, Batteriefabriken in drei Ländern. Das klingt nach Fortschritt — bis man sich die Gegenseite ansieht. Union-Investment-Fondsmanager Janne Werning nannte die bisherigen Sparmaßnahmen unzureichend, um den Konzern "vor die Kurve zu bringen". "Überkapazitäten und Ineffizienzen sind ein Mühlstein um den Hals der Kernmarke", sagte er. "Hoffen auf bessere Zeiten ist keine Strategie." DWS-Vertreter Hendrik Schmidt ging weiter: Die Ergebnisentwicklung sei "Ausdruck eines Systems, in dem Kontrolle, Unabhängigkeit und Verantwortlichkeit nicht funktionieren." Das ist keine Stilkritik — das ist ein Struktururteil. Der Gewinneinbruch um fast die Hälfte im vergangenen Jahr auf 6,9 Milliarden Euro bestätigt zunächst die Kritiker. Blume erkennt das Muster, beschreibt es aber anders: Externe Faktoren — Zölle, China, Geopolitik — drücken die Marge um mehr als fünf Prozentpunkte. Die Kernfrage, die beide Seiten nicht gemeinsam beantworten: Ob die Fabrikkosten-Reduktion um 20 Prozent eine echte Strukturverbesserung ist oder nur das Ergebnis von 28.000 Abgängen, die keine Werke schließen. Solange VW mit unterausgelasteten Fabriken kämpft, während BYD in Ungarn ein neues Werk in Betrieb nimmt, bleibt die Kostendifferenz strukturell. Der Everllence-Erlös zeigt, dass VW Wert besitzt. Wer bestimmt aber, wie schnell dieser Wert realisiert wird?

Wiegand-Exit: Der Aufsichtsrat vor der entscheidenden Abstimmung

Am selben Tag der Hauptversammlung trat Susanne Wiegand aus dem VW-Aufsichtsrat aus. Wiegand, ehemalige Chefin des Rüstungsunternehmens Renk, war nach Einschätzung von Deka-Fondsmanagerin Tanja Bauer "die einzige unabhängige Aufsichtsrätin bei Volkswagen." Ihr Ausscheiden schafft eine Lücke auf der Kapitalseite — zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Am 9. Juli soll der Aufsichtsrat über Blumes Umbaupläne abstimmen. Bis dahin steht kein Nachfolger für Wiegand fest. Das bedeutet: Blume präsentiert seinen Umbauplan einem Gremium mit Arbeitnehmermehrheit auf der Kapitalseite. Die Kapitalseite im Aufsichtsrat dominieren Vertreter der Eigentümerfamilien Porsche/Piëch mit fünf Mandaten sowie Qatar und Niedersachsen mit je zwei Sitzen. Berichten zufolge stieß Wiegand mit ihren Ideen nicht immer auf Gehör. Ob ihr Nachfolger unabhängiger sein wird oder enger an die Eigentümerfamilien gebunden, ist offen. Für Aktionäre außerhalb des Eigentümerkreises ist das die eigentliche Variabel — nicht Blumes acht Hebel und nicht die Zieldividende für 2030. Denn die Frage, welche Werke geschlossen werden, welche Beteiligungen nach Everllence als nächstes verkauft werden, und ob der Umbau tatsächlich tiefgreifend genug ist, entscheidet der Aufsichtsrat. Ein Kontrollgremium, das von Familienmandaten dominiert wird und auf unabhängige Stimmen verzichtet, neigt zu Kontinuität — nicht zu der radikalen Sanierung, die DWS und Union Investment fordern. Der Gegeneinwand, den der Pool enthält: VW hat mit Everllence bewiesen, dass es Wert realisieren kann, wenn der Druck groß genug ist. Aber diese Logik hält die Anlegerposition nur, wenn der 9. Juli einen Umbauplan mit konkreten Werksentscheidungen liefert — nicht ein weiteres Strategiepapier ohne Standortnamen. Inhaber beobachten, ob der Aufsichtsrat am 9. Juli Blume grünes Licht für Werksschließungen gibt oder den Umbau auf Managementebene begrenzt. Wer die Aktie noch nicht hält, wartet auf dasselbe Signal: erst wenn klare Werksschließungen beschlossen sind, ist der Rabatt gegenüber dem realisierbaren Konzernwert eingepreist.

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