Volkswagen VOW3|Sparplan blockiert, Gewinn bricht ein

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Gewinneinbruch trifft auf gekappten Ausblick

Volkswagen hat im zweiten Quartal noch weniger verdient als im ohnehin schwachen Vorjahreszeitraum. Der Konzerngewinn brach um rund ein Drittel auf 1,54 Milliarden Euro ein, während der Umsatz nur leicht auf 82,4 Milliarden Euro zulegte. Zugleich kappte Vorstandschef Oliver Blume den Umsatzausblick für das laufende Jahr auf bestenfalls stabile Entwicklung.

Der eigentliche Bruch liegt nicht im Gesamtbild, sondern in der Verteilung. In China sackten die Auslieferungen um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge ab, während sich der Absatz außerhalb Chinas deutlich stabiler zeigte. Das verschiebt die Frage von einer globalen Nachfrageschwäche hin zu einem konkreten, geografisch begrenzten Wettbewerbsproblem.

Blume reagiert darauf mit einem zweiten Sparpaket, zusätzlich zu den bereits beschlossenen 50.000 Stellen bis 2030. Bis zu 50.000 weitere Arbeitsplätze weltweit und vier deutsche Werke stehen nun zur Disposition, während jährlich rund 11 Milliarden Euro an Verwaltungskosten eingespart werden sollen. Die Produktion soll von derzeit rund 10 Millionen auf 9 Millionen Fahrzeuge jährlich schrumpfen.

Doch dieser Plan existiert bislang nur auf dem Papier. Denn genau dieses Sparprogramm hat der Aufsichtsrat vor wenigen Wochen bereits einmal abgelehnt, und dort liegt die eigentliche Bruchstelle des heutigen Kursbilds.

Aufsichtsrat blockiert den Sparplan

Blumes neuer Zukunftsplan wurde im Aufsichtsrat zur Abstimmung gestellt und scheiterte am Widerstand von Arbeitnehmervertretern und des Großaktionärs Niedersachsen, der mit 20 Prozent beteiligt ist und zusammen mit der Belegschaft die Mehrheit im Gremium stellt. Beide Seiten stemmen sich gegen Entlassungen und Werksschließungen. Die nächste Aufsichtsratssitzung zu dem Thema ist erst für Anfang September angesetzt.

Hier prallen zwei Lesarten offen aufeinander, nicht bloß in der Kommentierung, sondern im Abstimmungsverhalten selbst. Blume selbst sagte, das jahrzehntealte Geschäftsmodell aus Entwicklung in Deutschland, Produktion in Europa und Export in die Welt funktioniere so heute nicht mehr. Ein Aufsichtsratsmitglied wiederum fragte einem Bericht zufolge offen, wo denn tatsächlich gespart werde, wenn die Kostensenkungen in Milliardenhöhe angekündigt, aber die konkreten Schritte immer wieder blockiert würden.

Verschärft wird die Lage durch externe Belastungen, die sich der internen Kontrolle entziehen. Blume bezifferte die Kosten der US-Autozölle unter Donald Trump allein auf fünf Milliarden Euro Ergebnisbelastung, während chinesische Hersteller mit aggressiven Rabattschlachten den Heimatmarkt zusätzlich unter Druck setzen.

Damit entsteht die eigentliche Verzögerungsfalle des Falls. Der Kostendruck durch Zölle und chinesische Konkurrenz läuft in Echtzeit weiter, während die einzige interne Antwort darauf im Aufsichtsrat blockiert bleibt und frühestens im September erneut verhandelt wird.

Bewertungsabschlag zwischen Aufspaltungsfantasie und Standort-Erosion

Trotz all dieser Belastung notiert die Vorzugsaktie bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,09 und einer Marktkapitalisierung von gut 15 Milliarden Euro für die Vorzugsaktien, bei einem Konzernumsatz von über 320 Milliarden Euro im Jahr. Diese Kennzahl ist der Ausgangspunkt für den offenen Streit unter Beobachtern.

Ein Teil der Marktteilnehmer liest die niedrige Bewertung als überzogenen Pessimismus, weil nicht der gesamte Konzern schwach sei. Sie verweisen darauf, dass andere Marken und die Finanzsparte weiterhin solide Gewinne lieferten, und sehen in einer stärkeren Entflechtung des Konzerns die Chance, verborgene Werte freizulegen. Andere Stimmen halten genau dagegen, dass die niedersächsische Sperrminorität tiefgreifende Reformen strukturell blockiert und die Verlagerung der Produktion ins günstigere Ausland unumkehrbar sei.

Ein erster Beleg für diese Erosionsthese liegt bereits vor. Finanzchef Arno Antlitz deutete an, dass Audi seine Jahresprognose für die operative Marge von bislang 6 bis 8 Prozent auf 5 bis 7 Prozent senken dürfte, noch bevor die Tochter ihre eigenen Zahlen kommende Woche vorlegt. Damit verliert ausgerechnet die frühere Ertragsperle weiter an Substanz, während der Konzern gleichzeitig auf ihre Stärke als Gegenargument zur Erosionsthese verweist.

Für Halter und Beobachter läuft die Entscheidung damit auf zwei konkrete Prüfpunkte zusammen, nicht auf eine bloße Bewertungsfrage. Bestätigt die Aufsichtsratssitzung Anfang September ein durchsetzbares Sparprogramm, wird der niedrige Bewertungsabschlag zum Einstiegsargument. Zeigen dagegen die Audi-Zahlen kommende Woche eine weitere Margenerosion ohne begleitende Reformfreigabe, bestätigt sich die These der strukturellen Standort-Erosion. Genau diese beiden Termine, nicht der heutige Gewinnrückgang selbst, entscheiden, welche Lesart sich durchsetzt.

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